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Erste Vorlesung

December 10, 2017

DIE GESETZMÄSSIGE VERSCHIEDENHEIT DER

MANIFESTIERUNG DER MENSCHLICHEN INDIVIDUALITÄT

 

 (gehalten zum letzten Mal in New York im Neighbourhood

 Playhouse im Januar 1924)

 

Den Forschungen vieler ‚Gelehrter’ früherer Epochen und ebenso den Gegebenheiten nach, die in der Jetztzeit durch die ganz außerordentlich durchgeführten Untersuchungen des ‚Instituts-für-die-harmonische-Entwicklung-des-Menschen’, das auf dem Gurdjieff’schen System aufgebaut ist, erzielt wurden, sollte – auf Grund höherer Gesetze und der auf der Erde von Anfang an festgesetzten und allmählichen eingebürgerten Verhältnisse des Lebensprozesses der Menschen – die ganze Individualität jedes Menschen – ganz gleich von welcher Vererbung er auch das Resultat ist und in welchen ihn umgebenden zufällig zusammengekommenen Verhältnissen er auch entstanden sein mag und sich entwickelt hat –, sollte des Menschen Individualität schon zu Beginn seines verantwortlichen Lebens – um wirklich dem Sinn und der Bestimmung seiner Existenz als Mensch und nicht bloß als Tier zu entsprechen – unbedingt aus vier bestimmten einzelnen Persönlichkeiten bestehen.

Die erste von diesen vier selbständigen Persönlichkeiten ist die Gesamtheit jenes automatischen Funktionierens, das den Menschen wie auch allen Tieren eigen ist. Die Gegebenheiten für diese Gesamtheit setzen sich erstens aus der Gesamtsumme des Resultats der Eindrücke zusammen, die sie bis dahin sowohl aus der ganzen sie umgebenden Wirklichkeit als auch aus allem absichtlich von außen künstlich in sie Eingeimpftem empfingen, und zweitens aus dem Resultat des auch jedem Tier eigenen Prozesses, der das ‚Vor-sich-hin-träumen’ heißt, jener Gesamtheit automatischen Funktionierens, nämlich, die die meisten Menschen aus Unkenntnis ‚Bewusstsein’ oder im besten Fall ‚Denken’ nennen.

Die zweite Persönlichkeit des Menschen, die in den meisten Fällen ein von der ersten ganz unabhängiges Funktionieren hat, ist das Fazit der Resultate der angesammelten und festgesetzten Gegebenheiten, die im Bestand jedes Tieres durch sechs in ihm vorhandene Organe wahrgenommen werden, ‚Empfänger-verschieden-eigenschaftlicher-Vibrationen’ genannt, Organe, die nach neu wahrgenommenen Eindrücken funktionieren und deren Feinheit von der auf das gegebene Individuum gekommenen Vererbung abhängt und den Verhältnissen, in denen seine vorbereitende Heranbildung für seine verantwortliche Existenz stattgefunden hat.

Der dritte selbständige Teil eines Wesens stellt die Hauptfunktionierung seines Organismus dar wie auch alle bei diesem Hauptfunktionieren vor sich gehenden sogenannten ‚Reflex-motorischen-reziprok-wirkenden-Manifestierungen’, und die Qualität dieser Manifestierungen hängt von denselben zuvor erwähnten Resultaten der Vererbung ab und auch von der Umgebung des Wesens in der Zeit seiner vorbereitenden Bildung.

Und der vierte, der auch ein selbständiger Teil des ganzen Individuums sein sollte, ist nichts anderes als die Manifestierung der Gesamtheit aller Resultate des bereits automatisierten Funktionierens der drei aufgezählten, in ihm einzeln geformten und selbständig aufgewachsenen Persönlichkeiten, das heißt, er ist eben das, was das ‚Ich’ in einem Wesen genannt wird.

Im ganzen Bestand des Menschen hat jeder der drei aufgezählten einzeln geformten Teile seines vollen Ganzen zu seiner Vergeistigung und Manifestierung eine selbständige sogenannte ‚Schwerpunkts-Lokalisierung’, und ferner hat jede dieser ‚Schwerpunkts-Lokalisierungen’ mit dem ihr eigenen ganzen System für ihre allgemeine Verwirklichung ihre eigenen nur ihr inhärenten Eigentümlichkeiten und Veranlagungen. Infolgedessen ist es zur allseitigen Vervollkommnung des Menschen unbedingt nötig, jedem dieser drei Teile eine besondere ihm entsprechende richtige Erziehung zuteil werden zu lassen und nicht eine solche, wie sie heutzutage gegeben und auch ‚Erziehung’ genannt wird.

Nur dann kann das ‚Ich’, das im Menschen sein sollte, sein eigenes ‚Ich’ sein.

Auf Grund der schon erwähnten langjährigen ernsthaft durchgeführten experimentellen Forschungen und allein schon der gesunden und unparteiischen Auffassung eines jeden heutigen Menschen nach sollte der allgemeine Bestand jedes Menschen, besonders eines Menschen, der irgendwie beansprucht, nicht ein gewöhnlicher ‚Durchschnittsmensch’, sondern ein Gebildeter im eigentlichen Sinne des Wortes zu sein, nicht nur aus den besagten vier schon ganz deutlich bestimmten einzelnen Persönlichkeiten bestehen, sondern diese sollten unbedingt genau einander entsprechend entwickelt sein, auf dass in seinen allgemeinen Manifestierungen während seiner verantwortlichen Existenz alle einzelnen Teile miteinander harmonisieren können.

Um sich die Verschiedenquelligkeit der Entstehung und die Verschiedeneigenschaftigkeit der manifestierten Persönlichkeiten in der allgemeinen Organisation des Menschen und auch den Unterschied zwischen dem, was im allgemeinen Bestand eines ‚Menschen-ohne-Anführungsstriche’, das heißt eines wahren Menschen, ‚Ich’ genannt wird und dem, was als das ‚falsche-Ich’ bezeichnet werden kann und von den heutigen Menschen für das wahre gehalten wird, allseitig und anschaulich klarzumachen, kann sehr gut jener Vergleich dienen, der, wenn er auch von modernen sogenannten Spiritisten, Okkultisten, Theosophen und anderen Spezialisten, die ‚im-Trüben-fischen’, bei ihrem Geschwätz über sogenannte ‚mentale’, ‚astrale’ und andere angeblich im Menschen vorhandenen Körper, wie man sagt, ‚bis-zur-Abgeschmacktheit-abgenutzt’ ist, trotzdem zur Erläuterung der von uns hier untersuchten Frage sehr geeignet ist.

Der Mensch als Ganzes mit all seinen einzelnen in ihm konzentrierten und funktionierenden Lokalisierungen, das heißt, den in ihm geformten und selbständig aufgewachsenen ‚Persönlichkeiten’ ist mit fast genau jener Einrichtung vergleichbar, die zur Beförderung des Passagiers, aus Wagen, Pferd und Kutscher besteht.

Vor allem muss bemerkt werden, dass der Unterschied zwischen einem wahren Menschen, das heißt, einem, der sein eigenes ‚Ich’ hat, und einem Menschen, der es nicht hat, in der von uns gewählten Parallele darin besteht, dass im ersten Fall der Passagier im Wagen der Besitzer selbst ist, dieweil er im zweiten Fall ein beständig wechselnder Jemand ist, in der Art eines Passagiers in einem Droschken-Taxi: der erste beste Vorübergehende, den man trifft.

Der Körper des Menschen mit all seinen ‚reflexmotorischen-Manifestierungen’ entspricht einfach dem Wagen, das ganze Funktionieren und die Manifestierung des Fühlens im Menschen dem Pferd, das vor den Wagen gespannt ist und ihn zieht, der Kutscher, der auf dem Bock sitzt und das Pferd lenkt, dem, was von den Menschen Bewusstsein oder Denken genannt wird, und der Passagier endlich, der im Wagen sitzt und dem Kutscher befiehlt, ist eben das, was ‚Ich’ genannt wird.

Das Grundübel bei den heutigen Menschen liegt hauptsächlich darin, dass – durch die eingewurzelte und überall verbreitete anormale Methode der Erziehung der heranwachsenden Generation – bei allen Menschen zu Beginn ihres verantwortlichen Alters die vierte Persönlichkeit, die in ihnen sein sollte, vollends fehlt, und dass sie fast alle nur aus den drei aufgezählten und noch dazu irgendwie zufällig von selbst geformten Teilen bestehen. Das heißt, fast jeder heutige Mensch von schon verantwortlichem Alter stellt nicht viel mehr als ein ‚Droschken-Taxi’ dar und noch dazu ein sehr heruntergekommenes, ‚das viel mitgemacht hat’, mit einem Kleppergaul und einem zerlumpten, halbverschlafenen, halbbetrunkenen Kutscher auf dem Bock, dessen Zeit, die von der Mutter Natur für seine Selbstvervollkommnung bestimmt war – dieweil er an der Ecke auf irgendeinen zufälligen Passagier wartete –, mit phantastischen Träumereien vergeht, und den der erste beste, der vorübergeht, mietet und über ihn verfügt, wie es ihm gefällt, und nicht nur über ihn, sondern auch über alle zu ihm gehörenden Teile.

Wenn wir jetzt die Parallele zwischen einem typischen Menschen von heute mit seinen Gedanken, Gefühlen und seinem Körper einerseits und dem ‚Droschken-Taxi’ mit seinem Wagen, Pferd und Kutscher andererseits weiter verfolgen, werden wir klar begreifen, dass sich in jedem einzelnen Teil dieser beiden Organisationen nur die jedem dieser Teile allein eigenen Bedürfnisse, Gewohnheiten, Geschmack und so weiter bilden und vorhanden sein müssen. Durch die verschiedene Entstehungsart der verschiedenen Naturen und durch die verschiedenen Verhältnisse während ihrer Gestaltung und durch die verschiedenen in ihnen enthaltenen Möglichkeiten haben sich in jedem dieser Teile unvermeidlich zum Beispiel seine eigene Psyche, seine Begriffe und subjektiven Grundsätze, seine Ansichten über Dinge und so weiter gebildet.

Die Gesamtheit der Manifestierung des menschlichen Denkens mit der ganzen ihrem Funktionieren eigenen Inhärenz und all ihren spezifischen Eigentümlichkeiten entspricht in jeder Hinsicht fast genau dem Wesen und den Manifestierungen eines typischen Mietskutschers.

Der Kutscher, wie im Allgemeinen alle gemieteten Kutscher, ist der Typ, den man gewöhnlich ‚Johann’ nennt. Er kann ein wenig lesen und schreiben, weil er nach den in seiner Heimat bestehenden Verordnungen, die in einer Einführung des allgemeinen ‚Schul-Zwanges’ bestanden, in der Kindheit manchmal die sogenannte ‚Kirchen-Gemeindeschule’ besuchen musste.

Obgleich er selbst vom Lande kommt und wie die anderen Bauern unwissend geblieben ist, kam er doch durch seinen Beruf mit Menschen von verschiedenen Rang und verschiedener Bildung in Berührung und ‚schnappte’, wie man sagt, ein wenig von allen verschiedenen Ausdrücken auf, die verschiedene Begriffe bezeichnen, weshalb er nun auf alles vom Land kommende mit Überlegenheit und Geringschätzung herabschaut und mit Empörung all das gern als ‚Dummheit’ abtut.

Kurzum er ist ein Typ, auf den die Definition genau passt: ‚Für-einen-Raben-war-er-zu-gut-und-zu-einem-Pfauen-hat`s-nicht-gelangt’.

Er hält sich für kompetent sogar in Fragen der Religion, Politik und Soziologie; mit seinesgleichen liebt er darüber zu streiten; die, von denen er glaubt, dass sie unter ihm stehen, belehrt er; den Höherstehenden schmeichelt er und ist ihnen zu Diensten, vor ihnen – wie man sagt – ‚zerknüllt-er-seinen-Hut’.

Eine seiner Hauptschwächen ist, mit den Köchinnen und Stubenmädchen der Nachbarn zu poussieren. Am meisten aber liebt er sich vollzustopfen und ein Glas nach dem anderen zu leeren – und wenn er dann ganz voll ist – schläfrig vor sich hinzudösen.

Um diese Schwächen befriedigen zu können, stiehlt er einen Teil des Geldes, das ihm sein Herr zum Einkauf des Pferdefutters gibt.

Wie jeder gemietete ‚Johann’ arbeitet er, wie man sagt, immer nur aus ‚Furcht vor Schlägen’, und wenn er manchmal, ohne die Peitsche zu fühlen, arbeitet, so geschieht es nur in der Hoffnung auf Trinkgeld.

Der Wunsch, ein Trinkgeld zu erhalten, hat ihn langsam gelehrt, einige Schwächen der ihm begegnenden Menschen zu erkennen und Nutzen für sich selbst daraus zu ziehen. Und er gewöhnte sich auch automatisch an, listig zu sein und zu schmeicheln, sozusagen ‚einzuseifen’ und im Allgemeinen zu lügen.

Bei jeder passenden Gelegenheit und in jeder freien Minute kehrt er in eine Kneipe ein oder in eine Bar und döst dort lange bei einem Glas Bier vor sich hin oder führt eine Unterhaltung mit einem ihm ähnlichen Typ oder liest einfach die Zeitung.

Er gibt sich Mühe solid auszusehen und trägt einen Bart; wenn er mager ist, legt er unter seinen Anzug an entsprechenden Stellen etwas ein, um bedeutender zu erscheinen.

Die Gesamtheit der Manifestierungen der Gefühlslokalisierung und das ganze System ihrer Funktionierung im Menschen entspricht – wie es nicht besser sein könnte – in dem von uns gewählten Beispiel, dem Pferd eines ‚Droschken-Taxis’.

Der Vergleich des Pferdes mit der menschlichen Gefühlsorganisation kann übrigens besonders anschaulich zeigen, wie falsch und einseitig heutzutage die Erziehung der heranwachsenden Generation ist.

Das Pferd als Ganzes ist durch die Vernachlässigung, die ihm schon von seiner Jugend an durch die Wesen seiner Umgebung widerfuhr, und durch seine beständige Einsamkeit gleichsam in sich selbst eingesperrt, das heißt, sein sogenanntes ‚inneres-Leben’ ist nach innen verdrängt und für äußere Manifestierungen bleibt ihm nichts als Trägheit.

Ob der anormalen Verhältnisse um es herum erhielt es keine besondere Erziehung, sondern bildete sich ausschließlich unter der Einwirkung beständiger Peitschenhiebe und hässlicher Schimpfworte.

Es war immer angebunden, man fütterte es wie es gerade kam und gab ihm statt Hafer und Heu nur Stroh, was ohne Wert für seine wirklichen Bedürfnisse ist.

Da es nie Manifestierungen von auch nur ein wenig Liebe und wohlwollender Haltung gegen sich erfahren hat, ist es jetzt bereit, sich jedem, der ihm die kleinste Liebkosung erweist, einfach vollständig auszuliefern.

Schließlich führte all das dazu, dass die Neigungen des Pferdes, das alles höheren Strebens und Trachtens bar ist, sich unvermeidlich auf Essen, Trinken und den automatischen Drang zum anderen Geschlecht richten musste; und deshalb fühlt es sich immer dahin gezogen, wo es etwas davon bekommt; wenn es zum Beispiel die Stelle sieht, wo vielleicht nur ein- oder zweimal eines seiner aufgezählten Bedürfnisse befriedigt worden ist, bemüht es sich, immer wieder seine Schritte dorthin zu lenken.

Man muss weiter noch hinzufügen, dass, obgleich der Kutscher einen sehr schwachen Begriff von seinen Pflichten hat, er doch immerhin, wenn auch nur ein wenig, logisch denken kann, und da er an den nächsten Tag denkt, tut er manchmal aus Furcht, dass man ihn wegjage oder aus Wunsch nach einer Belohnung, etwas für den Herrn, ohne dass er die Peitsche gerade fühlt; das Pferd dagegen, das zur rechten Zeit – weil man ihm, wie schon gesagt, keine besondere und entsprechende Erziehung angedeihen ließ – keine Gegebenheiten zur Manifestierung des für die verantwortliche Existenz nötigen Strebens erhielt, kann nicht begreifen – und man kann sogar nicht erwarten, dass es begreife –, warum es im Allgemeinen überhaupt etwas tun soll, und deshalb erfüllt es seine Pflichten ganz träge und arbeitet nur aus Furcht vor neuen Schlägen.

Was dann endlich den Wagen betrifft, der in unserer Parallele dem Körper ohne die anderen im ganzen Bestande des Menschen selbständig geformten Teile verglichen wird, so steht es mit ihm sogar noch schlechter.

Dieser Wagen ist, wie im Allgemeinen alle Wagen, aus verschiedenerlei Material gemacht und noch dazu von einer sehr komplizierten Konstruktion.

Wie es für jeden gesund-denkenden Menschen offensichtlich ist, war er dazu bestimmt, alle möglichen Lasten zu transportieren, und nicht zu dem, wozu die Leute ihn heutzutage gebrauchen, nämlich nur zur Beförderung von Passagieren.

Der Hauptgrund für die verschiedenen Missverständnisse in Bezug auf ihn liegt darin, dass das System dieses Wagens vom Meister für die Fahrt auf Landwegen berechnet war, weshalb einige innere Einzelheiten seiner allgemeinen Konstruktion voraussichtlich dementsprechend gemacht waren.

Zum Beispiel war das Prinzip des Schmierens, eines der Hauptbedürfnisse dieser Konstruktion aus so verschiedenartigem Material, so vorgesehen, dass sich die Schmiere über alle Metallteile durch die Erschütterung, die durch die Unebenheiten, die auf solchen Wegen unvermeidlich sind, verbreiten sollte, und jetzt steht dieser Wagen, der für Transport auf Landwegen bestimmt war, an den Parkstellen in der Stadt und rollt über die glatten asphaltierten Pflaster.

Da beim Fahren über solche Pflaster alle Stöße vermieden werden, kommt es zu keinem gleichmäßigen Schmieren aller seiner Teile, und infolgedessen rosten einige natürlich ein und hören auf, die von ihnen erwartete Arbeit zu leisten.

Im Allgemeinen rollt jeder Wagen leicht, wenn die Teile, die die Bewegung leisten, richtig geschmiert sind. Wenn sie zu wenig geschmiert sind, laufen sie sich warm und werden später glühend und verderben dadurch andere Teile, und wenn ein Teil zu viel geschmiert ist, wird die gesamte Bewegung des Wagens schwierig, und in beiden Fällen ist es schwerer für das Pferd, ihn zu ziehen.

Der Kutscher von heute, unser ‚Johann’, weiß und vermutet sogar oft nicht, dass der Wagen geschmiert werden muss, und wenn er ihn auch schmiert, so tut er es ohne die nötige Kenntnis und macht es nur, weil er es gehört hat, indem er aufs Geratewohl das befolgt, was der erste beste ihm sagt.

Und so kommt es, dass, wenn der Wagen, der sich schon an glatte Straßen gewöhnt hat, irgendwie einmal auf Landwegen fahren muss, ihm dann stets etwas passiert: Eine Schraube lockert sich, ein Bolzen wird verbogen, irgend etwas wird lose und nach einigen Versuchen, auf solchen Wegen zu fahren, geht die Sache selten ohne mehr oder weniger große Reparaturen ab.

Auf jeden Fall kann man danach den Wagen für den Zweck, für den er gemacht war, unmöglich länger ohne Risiko benutzen. Und wenn man Reparaturen vornimmt, wird es schon notwendig, ihn ganz zu zerlegen, alle seine Teile zu prüfen, sie zu reinigen, zu ölen, wie es in solchen Fällen angebracht ist, und sie wieder zusammenzusetzen, und sehr oft wird sich sogar die Notwendigkeit herausstellen, sofort irgendeinen Teil durch einen neuen zu ersetzen, was ganz schön ist, solange es kein teurer Teil ist, sonst aber kann es kostspieliger werden, als einen neuen Wagen zu kaufen.

Und so kann alles, was über die einzelnen Teile der Organisation gesagt wurde, aus der das ‚Droschken-Taxi’ insgesamt besteht, vollends auf die allgemeine Organisation des ganzen Bestandes des Menschen angewandt werden.

Da es den Leuten heutzutage an Wissen und an der Fähigkeit gebricht, die heranwachsende Generation auf ihre verantwortliche Existenz vorzubereiten durch eine entsprechende Erziehung aller einzelnen Teile, die ihren ganzen Bestand ausmachen, stellt jeder Mensch heutzutage irgendeinen Wirrwarr und etwas im höchsten Grade Komisches dar, und zwar um uns wieder des gleichen Beispiels zu bedienen, etwas in der Art des folgenden Bildes:

Ein Wagen, ganz neu aus der Fabrik, nach der letzten Mode ausgeführt und von einem echten deutschen Barmer Meister poliert und ein Pferd davorgespannt, das in der Gegend, die ‚hinterer Kaukasus’ genannt wird, ‚Dglozy-Dzi’ heißt (‚Dzi’ ist ein Pferd und ‚Dgloz’ der Name eines Armeniers, der Spezialist im Ankauf und Häute abziehen schon ganz untauglicher Pferde ist).

Auf dem Bock dieses eleganten Wagens sitzt der unrasierte, ungekämmte, schläfrige Kutscher ‚Johann’, in einem schmierigen Überzieher, den er aus dem Müllhaufen gezogen hat, wohin ihn die Abspülfrau Marie geworfen hat, weil er vollständig wertlos schien, und auf dem Kopf trägt er einen ganz nagelneuen Zylinder, eine genaue Kopie des Zylinders von Rockefeller, und in seinem Knopfloch prangt eine riesengroße Chrysantheme.

Dieses Bild eines heutigen Menschen, so komisch es auch sein mag, musste sich unvermeidlich hauptsächlich deshalb so ergeben, weil vom ersten Tag der Entstehung und Gestaltung eines heutigen Menschen an diese drei in ihm geformten Teile, die – obgleich sie aus verschiedenen Ursachen stammen und verschieden-qualifizierte Eigenschaften besitzen – es während seiner verantwortlichen Existenz zur Verfolgung des gleichen Ziels zusammen sein gesamtes Ganzes darstellen sollten, sozusagen einzeln zu ‚leben’ anfangen und sich in ihren spezifischen Manifestierungen einzeln festsetzten, da sie sich die erforderliche automatische gegenseitige Unterstützung und gegenseitige Hilfsbereitschaft nicht angewöhnt haben, noch zu irgendeinem gegenseitigen, wenn auch nur annähernd gegenseitigen Verständnis gelangt sind, weshalb, wenn gemeinsame Manifestierungen benötigt werden, sie nicht erscheinen.

Dank des in der Jetztzeit im Leben der Menschen schon ganz eingebürgerten sogenannten ‚Erziehungs-Systems-der-heranwachsenden-Generation’, das einzig und allein darin besteht, die Schüler durch ständiges bis zum ‚Verrücktwerden’ getriebenes Wiederholen zu trainieren, verschiedene, fast leere Worte und Ausdrücke nur durch den Unterschied ihres Klanges zu empfinden und die mit diesen Worten und Ausdrücken bezeichnete angebliche Wirklichkeit zu erkennen, ist der Kutscher recht und schlecht imstande, wenn auch nur anderen Typen seinesgleichen die verschiedenen in ihm entstehenden Wünsche zu erklären und manchmal sogar andere ungefähr zu verstehen.

Dieweil unser Kutscher ‚Johann’ mit anderen Kutschern schwätzt, während er auf einen Passagier wartet, und durch sein gelegentliches, wie man sagt, ‚poussieren’ mit den Dienstmädchen des Nachbarn am Tore, lernt er sogar verschiedene Formen, von was man ‚Höflichkeiten’ nennt.

Durch die äußeren Lebensverhältnisse der Kutscher im Allgemeinen kam er unter anderem allmählich automatisch dazu, eine Straße von der anderen unterscheiden und herausfinden zu können, wie man zum Beispiel während der Reparatur einer Straße von einer anderen Seite her in die betreffende Straße gelangen kann.

Was aber das Pferd angeht, auf dessen Bildung sich die verderbliche Erfindung der heutigen Menschen, die da ‚Erziehung’ heißt, nicht erstreckt – weshalb die ihm vererbten Möglichkeiten nicht atrophiert sind, diese Bildung aber in den sich anormal eingebürgerten Verhältnissen des gewöhnlichen Existenzprozesses der Menschen verfließt und es von allen übersehen, wie eine Waise, aufwächst und noch dazu schlecht behandelt wird –, so erwirbt es nichts, was der festgesetzten Psyche des Kutschers entspricht, und weiß deshalb nichts von dem, was der Kutscher weiß, und alle Formen gegenseitiger Beziehungen, die dem Kutscher gewohnt sind, sind ihm unbekannt, und so wird kein Kontakt zwischen ihm und dem Kutscher für ein gegenseitiges Verstehen hergestellt.

Es kann jedoch vorkommen, dass das Pferd mit seinem verschlossenen Leben doch eine Form des Verkehrs mit dem Kutscher lernt und ihm sogar seine Sprache nicht fremd ist, aber das Unglück besteht darin, dass der Kutscher nichts davon weiß und sogar nicht einmal eine solche Möglichkeit vermutet.

Nicht nur, dass sich zwischen dem Kutscher und dem Pferd durch die besagten anormalen Verhältnisse keine Gegebenheiten zu einem auch nur annähernden gegenseitigen Verständnis bilden, es gibt auch noch viele andere äußere gar nicht von ihnen abhängende Ursachen, die ihnen keine Möglichkeit geben, jenen einzigen Zweck zusammen zu verwirklichen, für den sie beide bestimmt sind.

So wie die einzelnen selbständigen Teile eines ‚Droschken-Taxis’ miteinander verbunden sind – nämlich der Wagen mit dem Pferd durch die Deichselstangen, das Pferd mit dem Kutscher durch die Zügel –, so sind auch in der allgemeinen Organisation des Menschen die einzelnen Teile miteinander verbunden, und zwar der Körper mit der Gefühlsorganisation durch das Blut, die Gefühlsorganisation mit der Organisation, die die Funktionierung des Denkens oder Bewusstseins verwirklicht, durch das sogenannte ‚Ganbledsoin’, das heißt jenen Stoff, der im allgemeinen Bestand eines Menschen durch alle absichtlich erzeugten Seins-Anstrengungen entsteht.

Das falsche System der modernen Erziehung führte dazu, dass der Kutscher nicht mehr länger irgendeine Wirkung auf das Pferd ausüben kann; es sei denn, dass man in Betracht ziehen will, dass er mittels der Zügel im Bewusstsein des Pferdes gerade noch drei Ideen hervorrufen kann – rechts, links und halt.

Eigentlich besteht sogar nicht einmal immer diese Möglichkeit, da die Zügel im Allgemeinen aus einem solchen Material gemacht sind, das auf verschiedene atmosphärische Erscheinungen reagiert; während eines Regengusses zum Beispiel schwellen sie an und werden kürzer, und bei Hitze geschieht das Gegenteil, und dadurch verändert sich ihre Wirkung auf die automatisierte Wahrnehmungsempfindlichkeit des Pferdes.

Dasselbe geschieht in der allgemeinen Organisation eines gewöhnlichen Menschen, wenn sich durch einen Eindruck in ihm sozusagen ‚die-Dichtigkeit-und-das-Tempo’ des ‚Ganbledsoin’ ändert und sein Gedanke dann vollends jede Möglichkeit verliert, auf seine Gefühlsorganisation zu wirken.

Also, um alles Gesagte zusammenzufassen, muss man, ob man will oder nicht, zugeben, dass jeder Mensch danach streben sollte, sein eigenes ‚Ich’ zu haben, da er sonst immer nur ein ‚Droschken-Taxi’ darstellen wird, in das jeder beliebige Passagier sich hineinsetzten und nach Belieben darüber verfügen kann.

Hier gerade wird es nicht überflüssig sein, hervorzuheben, dass das ‚Institut-für-die-harmonische-Entwicklung-des-Menschen’, das nach dem System von Gurdjieff organisiert ist, unter seinen Hauptaufgaben auch die hat, in seinen Schülern einerseits jede der aufgezählten selbständigen Persönlichkeiten entsprechend zu erziehen, sowohl einzeln als auch in ihrer Beziehung zueinander, und andererseits in jedem hervorzurufen und zu fördern, was in jedem, der den Namen ‚Mensch ohne Anführungsstriche’ trägt, sein sollte: sein eigenes ‚Ich’.

 

Für eine genauere sozusagen wissenschaftliche Bestimmung des Unterschiedes zwischen einem echten Menschen, das heißt, einem Menschen, wie er sein sollte, und einem, den wir ‚Mensch-in-Anführungsstrichen’ genannt haben, ist es hier sehr angebracht zu wiederholen, was Gurdjieff in einer seiner allgemeinen Vorlesungen über diesen Gegenstand sagte. Und zwar sagte er Folgendes:

„Zur Bestimmung eines Menschen von unserem Gesichtspunkt aus können uns keine modernen Kenntnisse seiner anatomischen noch physiologischen noch psychischen Kennzeichen helfen, da diese Kennzeichen in dem einen oder anderen Maß jedem Menschen inhärent sind und sich folglich auf alle Menschen gleicherweise beziehen und uns deshalb keine Möglichkeit bieten, den Unterschied festzustellen, den wir zwischen einzelnen Menschen feststellen wollen. Das einzige zur Unterscheidung dienende Maß kann nur so formuliert werden: ‚Der-Mensch-ist-ein-Wesen,-das-‚tun’-kann,-und-‚tun’-heißt,-bewußt-und-nach-eigener-Inititative-handeln.’

Und wirklich muss jeder mehr oder weniger gesund denkende Mensch, wenn er auch nur ein wenig unparteiisch sein kann, zugeben, dass es keine andere bessere und erschöpfendere Definition gab und geben kann.

Wenn man diese Definition vorübergehend annimmt, muss unvermeidlich die Frage entstehen, ob der Mensch, der ein Produkt der heutigen Erziehung und Zivilisation ist, überhaupt etwas bewusst und nach eigenen Willen tun kann.

Nein … antworteten wir sogleich auf diese Frage.

Warum nicht …?

Schon allein deswegen, weil, wie das ‚Institut-für-die-harmonische-Entwicklung-des-Menschen’ experimentell beweist und auf Grund dieser Experimente kategorisch lehrt, ohne Ausnahme alles von Anfang bis zu Ende in den gegenwärtigen Menschen sich tut, und es nichts gibt, was der heutige Mensch selbst tut.

Im persönlichen, Familien- und Gemeinschaftsleben, in der Politik, der Wissenschaft, der Kunst, der Philosophie und Religion – mit einem Wort in allem, was den Prozess des gewöhnlichen Lebens eines heutigen Menschen ausmacht, tut sich alles von Anfang bis zu Ende, und es gibt nicht einen einzigen Menschen unter diesen ‚Opfern-der-heutigen-Erziehung’, der etwas ‚tun’ kann.

Diese experimentell bewiesene kategorische Behauptung des ‚Instituts-für-die-harmonische-Entwicklung-des-Menschen’, nämlich, dass der gewöhnliche Mensch nichts tun kann, sondern dass sich alles in ihm tut, stimmt mit dem überein, was die heutige ‚exakte-positive-Wissenschaft’ vom Menschen sagt.

Die heutige ‚exakte-positive-Wissenschaft’ sagt, dass der Mensch ein sehr komplizierter Organismus sei, der sich evolvierend aus den allereinfachsten Organismen entwickelt hat und der jetzt auf äußere Eindrücke sehr kompliziert reagieren kann. Diese Fähigkeit zu reagieren ist so kompliziert im Menschen, und die antwortenden Bewegungen können scheinbar so weit von den Ursachen, die sie hervorbrachten und bedingen, entfernt sein, dass die Handlungen des Menschen, wenigstens zum Teil, einem naiven Beobachter ganz willkürlich zu sein scheinen.

Aber den Gurdjieff’schen Ideen nach ist der gewöhnliche Mensch tatsächlich nicht der allergeringsten selbständigen oder willkürlichen Handlung oder eines solchen Wortes fähig. Er ist nichts als das Resultat äußerer Einflüsse. Der Mensch ist eine Transformations-Maschine, etwas in der Art einer weiterleitenden Kräftestation.

Somit unterscheidet sich der Mensch vom Gesichtspunkt Gurdjieffs und auch der heutigen ‚exakten-positiven-Wissenschaft’ aus vom Tier nur durch eine größere Kompliziertheit seines Reagierens auf äußere Eindrücke und durch eine kompliziertere Konstruktion für die Aufnahme von Eindrücken und die Reaktion auf sie.

Und was das betrifft, was ‚Willen’ genannt und dem Menschen zugeschrieben wird, so leugnet Gurdjieff vollständig, dass er im Bestand eines gewöhnlichen Menschen sein kann.

Der Wille ist eine bestimmte Kombination, erzielt aus den Resultaten verschiedener Eigenschaften, die Menschen, die tun können, in sich eigens erarbeiten.

Was im Bestand eines gewöhnlichen Menschen Wille genannt wird, ist einzig und allein das Ergebnis aus Wunsch und Begehren.

Wille ist ein Zeichen eines sehr hohen Grades von Sein im Vergleich zu dem Sein eines gewöhnlichen Menschen. Und nur Menschen, die ein solches Sein besitzen, können tun.

Alle anderen Leute sind einfach Automaten, die durch äußere Kräfte in Bewegung gesetzt werden, Maschinen oder mechanische Spielzeuge, die gerade so lange laufen, als die durch zufällig sie umgebende Verhältnisse aufgezogene sogenannte ‚Feder’ Spannung hat, und diese Feder kann weder verlängert noch verkürzt noch durch eigene Initiative verändert werden.

Also, dieweil wir zugeben, dass der Mensch große Möglichkeiten hat, sprechen wir ihm jeden Wert als selbständige Einheit solange ab, als er bleibt, wie er heutzutage ist.

Um das völlige Fehlen irgendeines Willens im gewöhnlichen Menschen darzustellen, will ich hier eine Stelle aus einer anderen von Gurdjieff gehaltenen Vorlesung einschalten, in der die Manifestationen dieses vielgerühmten angeblichen Willens im Menschen malerisch geschildert werden.

In dieser Vorlesung wandte er sich an einen der Anwesenden und sagte:

„Sie haben viel Geld, luxuriöse Existenzverhältnisse und genießen allgemeine Achtung und Verehrung. An der Spitze Ihres solid fundierten Unternehmens stehen absolut ehrliche Leute, die Ihnen ergeben sind – mit einem Wort: Sie leben einfach herrlich.

„Sie verfügen über Ihre Zeit nach eigenem Belieben, Sie fördern die Künste, lösen Weltfragen bei einer Tasse Kaffee und sind sogar an der Entwicklung der verborgenen geistigen Kräfte des Menschen interessiert. Geistige Bedürfnisse sind Ihnen nicht fremd und in den Fragen der Philosophie sind Sie zu Hause. Sie sind gebildet und belesen. Da Sie großes Wissen in allen möglichen Fragen besitzen, gelten Sie als kluger Mann, der sich in allen möglichen Gebieten auskennt, – kurzum, Sie sind das Muster eines gebildeten Menschen.

„Alle, die Sie kennen, halten Sie für einen Menschen von großem Willen und die meisten schreiben sogar Ihr Wohl den Resultaten der Manifestationen dieses Ihres Willens zu. Kurzum, von allen Gesichtspunkten aus verdienen Sie Nachahmung und sind vollends zu beneiden.

„Am Morgen wachen Sie unter dem Eindruck eines schweren Traumes auf.

„Ihre leicht bedrückte Laune, die sich bei Ihrem Erwachen aufgehellt hat, hinterlässt nichtsdestoweniger eine Spur in Ihnen.

„Schlapp und unbestimmt sind Ihre Bewegungen.

„Sie gehen zum Spiegel, um sich Ihr Haar zu kämmen und lassen unversehens Ihre Haarbürste fallen; kaum haben Sie sie aufgehoben und gereinigt, so fällt sie schon wieder. Sie heben sie schon mit einem Anflug von Ungeduld auf und dadurch lassen Sie sie ein drittes Mal fallen. Sie versuchen, sie noch in der Luft zu fangen, doch … durch den unglücklichen Schlag Ihrer Hand fliegt die Bürste gegen den Spiegel; Sie geben sich alle Mühe, sie zu fangen, doch krach … da ist ein Stern von Sprüngen in Ihrem alten Spiegel, auf den Sie so stolz waren.

„Ach, zum Teufel … und da entsteht eben das Bedürfnis, an irgend jemandem Ihren gerade entstandenen Missmut auszulassen, und als Sie keine Zeitung neben Ihrem Morgenkaffee finden, weil der Dienstbote vergessen hat, sie dorthin zu legen, läuft das Maß Ihrer Geduld schon über und Sie beschließen, das dieser nichtsnutzige Kerl nicht länger in Ihrem Haus geduldet werden kann.

„Es ist Zeit für Sie auszugehen und, um das schöne Wetter auszunutzen und da Ihr Ziel nicht fern ist, entschließen Sie sich, zu Fuß zu gehen. Hinter Ihnen her rollt langsam Ihr erst unlängst erworbenes Automobil letzter modernster Ausführung.

„Die strahlende Sonne beruhigt Sie ein wenig und ein Menschenauflauf, der sich an der Ecke der nächsten Seitenstraße angesammelt hat, zieht Ihre Aufmerksamkeit an.

„Sie treten näher hinzu und sehen in der Mitte der Menge einen Mann bewusstlos auf dem Bürgersteig liegen. Ein Schutzmann setzt ihn mit Hilfe einiger sogenannter ‚gaffender Müßiggänger’, die sich angesammelt haben, in ein ‚Taxi’, um ihn nach dem Krankenhaus zu bringen.

„Bemerken Sie wie seltsam in Ihren Assoziationen – nur durch die Ähnlichkeit, die Ihr Auge soeben zwischen dem Gesicht des Taxi-Chauffeurs und dem Gesicht des Betrunkenen bemerkt hat, mit dem Sie zusammenstießen, als Sie irgendwie selbst angeheitert im letzten Jahr von einer lärmenden Geburtstags-Gesellschaft zurückkamen, – dieses Unglück an der Ecke da mit der Torte verbunden ist, die Sie auf der Gesellschaft aßen.

„Ach, war das eine wunderbare Torte!

„Der Dienstbote, der Ihnen heute die Zeitung nicht reichte, verdarb Ihnen Ihren Morgenkaffee. Warum sollen Sie sich jetzt nicht entschädigen? Dazu gibt es hier auch noch ein modernes Café, in dem Sie manchmal mit Ihren Freunden verkehren.

„Aber warum haben Sie sich an Ihren Dienstboten erinnert? Haben Sie doch die Unannehmlichkeiten des Morgens schon fast ganz vergessen! Jetzt auf jeden Fall schmeckt Ihnen die Torte mit dem Kaffee wirklich ganz ausgezeichnet.

„Und siehe da, am nächsten Tisch sitzen zwei Damen. Was für eine reizende Blonde!

„Sie hören, wie sie ihrer Nachbarin zuflüstert und dabei nach Ihnen schaut:

„Der ist ganz nach meinem Geschmack.“

Können Sie leugnen, dass ob dieser zufällig von Ihnen gehörten und vielleicht auch absichtlich laut ausgesprochenen Worte über Sie, Sie, wie man sagt, ‚innerlich frohlocken’?

„Wenn man Sie nun in diesem Augenblick fragen würde, ob es Wert war, dass Sie wegen der Unannehmlichkeiten am Morgen verstimmt waren und sich Ihre Laune verderben ließen, würden Sie dies gewiss verneinen und sich das Wort geben, dass nichts Ähnliches mit Ihnen je wieder vorkommen solle.

„Ist es noch nötig zu sagen, wie sich Ihre Laune wandelte, als Sie mit der Sie interessierenden und an Sie interessierten Blonden Bekanntschaft machten und wie sie die ganze Zeit hindurch war, die Sie mit ihr verbrachten?

„Sie kehren, einen Schlager summend, nach Hause zurück und selbst der zerbrochene Spiegel ruft nur ein Lächeln in Ihnen hervor.

„Und wie steht´s mit Ihrem Geschäft, für das Sie heute ausgingen? Sie erinnern sich erst jetzt daran. Zu dumm … doch ganz gleich … man kann telefonieren.

„Sie gehen zum Telefon und das Fräulein verbindet Sie mit der falschen Nummer.

„Sie klingeln wieder und werden wieder mit derselben Nummer verbunden.

„Sie klingeln wieder und werden mit derselben Nummer verbunden.

„Irgendjemand sagt Ihnen, dass Sie ihn belästigen. Sie sagen, dass dies nicht Ihre Schuld sei, und im Hin und Her der Worte erfahren Sie ganz unerwartet, dass Sie ein Schuft sind, ein Idiot und dass, wenn Sie noch einmal bei ihm anläuten … Sie …

„Der unter Ihre Füße geratene Teppich ruft einen Sturm von Entrüstung in Ihnen hervor und Sie sollten den Ton hören, in dem Sie den Dienstboten zurechtweisen, der Ihnen einen Brief überreicht.

„Der Brief ist von einem Menschen, den Sie achten und auf dessen hohe Meinung von Ihnen Sie großen Wert legen. Der Inhalt des Briefes ist dermaßen schmeichelnd für Sie, dass Ihre Aufgebrachtheit beim Lesen verfliegt und Sie in die ‚angenehme Verwirrung’ eines Menschen versetzt, der sein Lob hört. In der angenehmsten Stimmung lesen Sie den Brief zu Ende.

„Ich könnte dieses Bild Ihres Tages noch weiter durchführen, Sie freier Mensch!

„Vielleicht denken Sie, dass ich übertreibe.

„Aber nein, es ist eine photographisch genaue Aufnahme nach der Natur.“

 

Da wir vom Willen des Menschen sprechen und von den verschiedenen Aspekten seiner Manifestationen, die angeblich aus seiner eigenen Initiative stammen, Manifestationen, die für die heutigen sogenannten ‚Forscher-Köpfe’ und unserer Auffassung nach natürlich ‚naiven Köpfe’ als Gegenstand zu ‚Klügeleien’ und Selbstgefälligkeiten dienen, wird es nicht schaden, anzuführen, was Gurdjieff in einer anderen ‚Vorlesung’ in zwangloser Form sagte, weil die Gesamtheit von dem, was er damals sagte, ein Licht auf die Illusion werfen dürfte, dass jeder Mensch angeblich einen Willen habe.

Er sagte:

„Der Mensch kommt als reines Blatt Papier auf die Welt, und alles, was ihn umgibt, und alle, die ihn umgeben, tun ihr Bestes, dieses Blatt vollzuschmieren und zu beschmutzen mit Erziehung und Moral und mit Kunden, die von uns Kenntnisse genannt werden, und mit allen möglichen Gefühlen von Pflicht, Ehre, Gewissen und so fort und so weiter.

„Und alle bestehen auf der Unveränderlichkeit und Unfehlbarkeit der Methoden, die angewandt werden, um diese Schösslinge dem Stamm einzupfropfen, der da Persönlichkeit des Menschen heißt.

„Das Blatt wird allmählich schmutzig und je schmutziger das Blatt wird, das heißt, je mehr der Mensch mit diesen vergänglichen Kunden vollgestopft wird und mit Begriffen von Pflicht, Ehre und so weiter, die ihm eingetrichtert und von anderen suggeriert wurden, für desto ‚klüger’ und verdienter gilt dieser Mensch seiner Umgebung.

„Und auch das beschmierte Blatt, das sieht, dass die Menschen seinen Schmutz als ein Verdienst erachten, kann nicht anders als seinen Schmutz mit den anderen in rosigem Licht betrachten.

„Und so haben sie ein Muster von dem, was wir einen Menschen nennen, dem wir noch dazu oft Worte wie ‚Talent’ und ‚Genie’ hinzufügen.

„Und unserem ‚Talent’ wird die Laune für den ganzen Tag verdorben, wenn er beim Erwachen am Morgen seine Pantoffeln nicht an seinem Bett findet.

„Unfrei ist der gewöhnliche Mensch in seinen Manifestationen, in seinem Leben, in seinen Stimmungen.

„Er kann nicht der sein, der er sein möchte und für den er sich hält.

„Mensch, wie stolz das klingt, schon allein der Name ‚Mensch’, was die ‚Krone-der-Schöpfung’ bedeutet. Passt aber dieser Titel auf den heutigen Menschen?

„Der Mensch sollte zwar wirklich die Krone der Schöpfung sein, weil er mit allen Möglichkeiten gebildet und ausgestattet ist, um all die Gegebenheiten zu erwerben, die genau den Gegebenheiten in dem Einen gleichen, der alles im ganzen Weltall Existierende verwirklicht.

Um ein Recht auf dem Namen Mensch zu haben, muss man einer sein.

Und um einer zu sein, muss man zuallererst mit einer unermüdlichen Beharrlichkeit und einem nie versagenden Impuls von Wunsch, der aus allen einzelnen selbständigen Teilen, die unseren ganzen Bestand ausmachen, das heißt gleichzeitig aus unseren Gedanken, Gefühlen und unserem organischen Mechanismus stammen muss, an einem allseitigen Sich-Selbst-Erkennen arbeiten – wobei man gleichzeitig unaufhörlich gegen seine subjektiven Schwächen ankämpfen muss –, und indem man sich später nur an die durch sein eigenes Bewusstsein erhaltenen Resultate hält, sowohl was die Fehler angeht, die in der Subjektivität des Betreffenden vorhanden sind, als auch was die herausgefundenen Mittel betrifft, die den Kampf mit ihnen möglich machen – ohne Schonung für sich selbst zu kennen – ihre Ausrottung erzielen.

Der heutige Mensch – den wir nur erkennen können, wenn jede Parteilichkeit unsererseits fehlt – stellt in Wirklichkeit nichts mehr und nichts weniger als nur ein Uhrwerk dar, allerdings von sehr komplizierter Konstruktion.

Der Mensch muss seine Mechanität unbedingt und ohne jede Parteilichkeit von allen Seiten durchdenken und gut begreifen, um vollends zu verstehen, welche Bedeutung diese Mechanität und alle daraus stammenden Folgen und Resultate sowohl für sein eigenes weiteres Leben als auch zur Rechtfertigung des Sinnes und Zieles seiner Entstehung und seiner Existenz haben kann.

Für den, der die menschliche Mechanität im Allgemeinen studieren und sich klarmachen will, ist er selbst mit seiner eigenen Mechanität sich das allerbeste Studiumsobjekt und diese in einer praktischen Weise zu studieren und vernünftig mit seinem ganzen Sein – nicht ‚psychopathisch’, das heißt mit nur einem Teil seines ganzen Bestandes – zu verstehen, ist einzig und allein als Ergebnis richtig gelenkter Selbstbeobachtung möglich.

Und was die Möglichkeit betrifft, die Selbstbeobachtung richtig zu leiten, ohne dabei Gefahr zu laufen, schädlichen Resultaten zu erliegen, die man mehr als einmal in den Versuchen von Leuten beobachtet hat, die dieses ohne gebührende Kenntnisse tun, nur um jeden falschen Eifer zu vermeiden, ist es nötig, im Voraus zu warnen, dass unsere Erfahrung, die auf zahlreichen genauen Kunden beruht, zeigt, dass dies nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Deshalb machen wir das Studium der Mechanik des heutigen Menschen zur Grundlage einer richtig gelenkten Selbstbeobachtung.

Bevor ein Mensch diese Mechanität und alle Prinzipien einer richtig gelenkten Selbstbeobachtung zu studieren beginnt, muss er sich zuerst unwiderruflich entschließen, immer rückhaltlos aufrichtig mit sich selbst sein zu wollen, seine Augen vor nichts zu verschließen und keinen Resultaten auszuweichen, wohin sie ihn auch führen, sich vor keinen Folgerungen zu fürchten und sich nicht durch zuvor festgesetzte Grenzen einzuschränken. Ferner ist es nötig, damit diese Prinzipien, die wir darbieten, von den Anhängern der Lehre klar aufgefasst und zu ihrem eigenen Gut werden können, eine entsprechende Form von ‚Sprache’ festzulegen, da wir die Form der heutzutage bestehenden Sprache als ganz unzulänglich für solche Klarstellungen finden.

Was die erste Bedingung betrifft, so ist es jetzt gleich am Anfang nötig, warnend vorauszuschicken, dass ein Mensch, der nicht daran gewöhnt ist, in der Richtung zu denken und zu handeln, die den Prinzipien der Selbstbeobachtung entsprechen, viel Mut haben muss, um die erzielten Folgerungen ehrlich anzunehmen und nicht den Mut zu verlieren, sondern sich an sie zu halten und sie mit einer dafür unbedingt nötigen wachsenden Beharrlichkeit fortzusetzen.

Diese Folgerungen können alle im Menschen schon tief verwurzelten Überzeugungen und Glauben und auch die gesamte Ordnung seines gewöhnlichen Denkens wie man sagt ‚umstürzen’, in welchem Fall er vielleicht für immer all die angenehmen, wie man sagt, ‚seinem-Herzen-teuren-Werte’ verlieren kann, die bis dahin sein ruhiges und gemütliches Leben ausmachten.

Durch richtig gelenkte Selbstbeobachtung wird ein Mensch von den ersten Tagen an seine volle Macht- und Hilflosigkeit gegenüber buchstäblich allem, was ihn umgibt, klar einsehen und zweifellos erkennen.

Er wird sich mit seinem ganzen Sein überzeugen, dass alles ihm befiehlt, alles ihn regiert. Er selbst befiehlt und regiert überhaupt gar nichts.

Er wird angezogen und abgestoßen, nicht nur von allem Lebenden, das die Entstehung dieser oder jener Assoziation in ihm beeinflussen kann, sondern sogar von ganz leblosen und trägen Objekten.

Ohne Selbsteinbildung oder Selbstbetäubung – Impulse, die man sich nicht vom heutigen Menschen wegdenken kann – wird er erkennen, dass sein ganzes Leben nichts als ein blindes Reagieren auf die besagten Anziehungen und Abstoßungen ist.

Er wird klar erkennen, wie seine sogenannten Ansichten, seine Weltanschauung, sein Charakter, Geschmack und so weiter, kurzum wie seine Individualität, geformt ist und unter welchen Einflüssen sie sich in ihren Einzelheiten ändern kann.

Und was die zweite unerlässliche Bedingung betrifft, das heißt die Festsetzung einer richtigen Sprache, so ist dies nötig, weil die Sprache, die sich neuerdings festgesetzt und sozusagen ‚Bürgerrechte’ erworben hat, die Sprache, in der man spricht, durch die man anderen sein Wissen und seine Begriffe vermittelt und in der man Bücher schreibt, unserer Meinung nach schon so ist, dass sie für jeden mehr oder weniger genauen Meinungsaustausch ganz untauglich ist.

Die Worte, aus denen die gewöhnliche Sprache besteht, bezeichnen durch den willkürlichen Sinn, den Leute in sie legen, relative und unbestimmte Begriffe und werden deshalb vom ‚Durchschnittsmenschen’ ‚elastisch’ aufgefasst.

Dass es aber zu dieser Anormalität im Leben der Menschen kam, dabei spielte meiner Meinung nach wiederum dieselbe falsche Erziehungsmethode der heranwachsenden Generation eine Rolle.

Und sie spielt eine Rolle, hauptsächlich dadurch, dass sie, wie wir schon gesagt haben, die heranwachsende Generation zwingt, eine möglichst große Quantität von Worten nur durch den von ihrem äußeren Klang erhaltenen Eindruck voneinander zu unterscheiden und nicht durch den echten Kern der in sie gelegten Bedeutung, wodurch es schließlich dahin kam, dass die Leute allmählich die Fähigkeit verloren, nachzudenken, worüber sie reden, und aufzufassen, was ihnen gesagt wird.

Durch den Verlust dieser Fähigkeit und gleichzeitig im Hinblick auf die Notwendigkeit, unserer Gedanken anderen mehr oder weniger genau zu vermitteln, ist der heutige Mensch gezwungen, trotz der endlosen Anzahl von Worten, die sich in allen heutigen Sprachen finden, entweder Worte aus anderen Sprachen zu entlehnen oder noch immer neue Worte zu erfinden, und dadurch kam es schließlich dahin, dass, wenn ein Mensch heutzutage einen Gedanken ausdrücken will und viele Worte kennt, die ihm dafür passend zu sein scheinen, er trotzdem, wenn er seine Gedanken mit einem Wort ausdrückt, das seiner geistigen Auffassung nach entsprechend zu sein scheint, gleichzeitig instinktiv eine Ungewissheit betreffs der Richtigkeit seiner Wahl fühlt und unbewusst diesem Wort seine eigene subjektive Bedeutung gibt.

Einerseits ob dieses schon automatisierten Gebrauches und andererseits ob des allmählichen Verschwindens der Fähigkeit, seine aktive Aufmerksamkeit lang konzentrieren zu können, betont der gewöhnliche Mensch, wenn er ein Wort ausspricht oder hört, unfreiwillig diesen oder jenen Aspekt des in dem Worte enthaltenen Begriffes und konzentriert jedes Mal die ganze Bedeutung des Wortes auf einen Aspekt dieses ganzen Begriffes, das heißt er bezeichnet durch dieses Wort nicht alle Merkmale des gegebenen Begriffes, sondern bloß das erste zufällige Merkmal, das von den Ideen abhängig ist, die in dem Strom der automatisch in ihm vor sich gehenden Assoziationen erzeugt werden. Deshalb gibt der moderne Mensch in der Unterhaltung mit anderen ein und demselben Wort, so oft er es hört oder gebraucht, eine andere Bedeutung, oft sogar ganz entgegengesetzt dem Sinn, der durch das gegebene Wort zum Ausdruck gelangen soll.

Für einen Menschen, der dies bis zu einem gewissen Grad erkannt hat und es mehr oder weniger zu beobachten gelernt hat, steht dieses ‚tragikomische Klangbachanal’ besonders deutlich fest und wird offensichtlich, wenn an der Unterhaltung von zwei heutigen Menschen sich andere beteiligen: Jeder von ihnen legt in all die Schwerpunkts-Worte in der betreffenden sozusagen ‚Symphonie-von-Worten-ohne-Inhalt’ seinen eigenen subjektiven Sinn, und dem Ohr dieses unparteiischen Beobachters klingt dies alles wie das, was in den alten synokulupianischen Erzählungen von ‚Tausend und einer Nacht’ ein ‚kakophonisch-phantastischer-Unsinn’ genannt wird.

Die heutigen Menschen, die in dieser Weise miteinander sprechen, bilden sich ein, dass sie einander verstehen und sind sicher, dass sie ihre Gedanken einander vermitteln.

Wir aber, die wir auf zahlreichen, durch psycho-physisch-chemische Experimente bewiesenen unbestreitbaren Gegebenheiten fußen, behaupten kategorisch, dass solange die heutigen Menschen bleiben, wie sie zur Jetztzeit sind, das heißt ‚Durchschnittsmenschen’, sie niemals – worüber sie auch miteinander sprechen mögen, besonders in Bezug auf abstrakte Fragen – dieselben Begriffe durch dieselben Worte bezeichnen und niemals einander wirklich verstehen werden

Und deshalb manifestiert sich im heutigen ‚Durchschnittsmenschen’ jedes innere, selbst jedes schmerzliche und ihn zum Denken anregende Erlebnis – und die dadurch erhaltenen logischen Resultate, die sonst für die um ihn herum sehr segensreich sein könnten – nicht nach außen, sondern wandelt sich nur in einen sozusagen ‚knechtenden-Faktor’ für ihn selbst um.

Dadurch wird die Isolierung des inneren Lebens jedes einzelnen Menschen sogar noch verstärkt und gleichzeitig wird die sogenannte ‚gegenseitige-Belehrung’, die in der gemeinsamen Existenz von Menschen so nötig ist, noch mehr und mehr vernichtet.

Durch den Verlust der Fähigkeit, aufzufassen und nachzudenken, denkt der heutige Mensch, wenn er im Gespräch ein Wort hört oder gebraucht, das ihm nur durch seinen Klang bekannt ist, überhaupt nicht weiter nach, und es entsteht in ihm sogar keine Frage, was eigentlich mit diesem Wort gemeint ist, da er ein für allemal überzeugt ist, dass er es kennt und das andere es auch kennen.

Eine Frage entsteht jedoch manchmal in ihm, wenn er ein ihm ganz unbekanntes Wort zum ersten Mal hört, aber in diesem Fall begnügt er sich einfach damit, dieses unbekannte Wort durch ein anderes passendes Wort von bekanntem Klang zu ersetzen und bildet sich ein, dass er es verstanden habe.

Ein sehr gutes Beispiel zur Beleuchtung dessen, was ich soeben gesagt habe, ist das so oft von jedem heutigen Menschen gebrauchte Wort ‚Welt’.

Wenn die Menschen für sich selbst auffangen könnten, was ihnen durch den Kopf geht, wenn sie das Wort ‚Welt’ hören oder anwenden, müssten die meisten zugeben – vorausgesetzt, dass sie aufrichtig sein wollen –, dass sie keine genaue Vorstellung mit diesem Wort verbinden. Sie fangen einfach durchs Ohr den ihnen gewohnten Klang auf, dessen Bedeutung sie zu kennen glauben und sagen gleichsam zu sich selbst: „Ach, Welt, ich weiß schon, was das ist“, und damit basta.

So man aber absichtlich ihre Aufmerksamkeit auf dieses Wort lenkt und ihnen zu entlocken versucht, was sie unter diesem Wort eigentlich verstehen, so werden sie zuerst sichtbar ‚verwirrt’ oder ‚verlegen’, sich dann aber rasch etwas vormachen und die erste Definition, die ihnen über dieses Wort in den Kopf kommt, als die ihre ausgeben, auch wenn sie in Wirklichkeit nie zuvor daran gedacht hatten.

Wenn man die entsprechende Macht hätte und einer Anzahl heutiger Menschen befehlen könnte, selbst solchen unter ihnen, die sozusagen ‚eine gute Erziehung’ erhielten, auszusagen, was sie unter diesem Wort ‚Welt’ genau verstehen, würden alle von ihnen so ‚wie-die-Katze-um-den-heißen-Brei-laufen’, dass man sich unwillkürlich selbst an Rizinus-Öl mit einer gewissen Zärtlichkeit erinnern würde.

So würde zum Beispiel einer unter ihnen, der außer anderem verschiedene astronomische Bücher durchgeackert hat, sagen, dass die Welt eine enorme Anzahl von Sonnen sei, die in kolossaler Entfernung voneinander von Planeten umgeben sind und zusammen das, was wir die Milchstraße nennen, ausmachen, hinter der in unermesslicher Entfernung und jenseits der unserer Erforschung noch unzugänglichen Raumgrenzen andere Anhäufungen von Sternen, andere Welten, liegen dürften.

Ein anderer, der sich für die heutig Physik interessiert, würde von der Welt als einer systematischen Evolution der Materie sprechen, angefangen beim Atom, bis zu den größten Anhäufung von Planeten und Sonnen; vielleicht würde er von der Theorie der Ähnlichkeit zwischen der Atom- und Elektronen-Welt und der Welt der Sonnen und Planeten reden und so fort im selben Geleise.

Einer, der sich aus irgendeinem Grund zur Philosophie hingezogen fühlt und allen möglichen Kram über diesen Gegenstand nachgeschlagen hat, würde sagen, dass die Welt nur die Frucht unserer subjektiven Vorstellung und Einbildungen ist, und dass unsere Erde mit ihren Bergen und Seen, ihrem Pflanzen- und Tierreich nur eine Welt täuschender Erscheinungen ist, eine eingebildete Welt.

Ein Mensch, der mit den neuen Theorien der Viel-Dimensionalität des Raumes bekannt ist, würde sagen, dass die Welt gewöhnlich als eine endlose drei-dimensionale Sphäre angesehen wird, dass aber in Wirklichkeit eine dreidimensionale Welt an sich nicht existieren könne und nur ein vorgestellter Querschnitt einer anderen vier-dimensionalen Welt sei, aus der alles kommt und in die alles zurückkehrt, was um uns vorgeht.

Ein Mensch, dessen Weltanschauung auf den Dogmen der Religion beruht, würde sagen, dass die Welt alles umfasst, was existiert, das Sichtbare und das Unsichtbare, das sie von Gott geschaffen wurde und von seinem Willen abhängt, dass unser Leben in der sichtbaren Welt kurz ist, in der unsichtbaren Welt aber, wo der Mensch Belohnung und Strafe für alles erhält, was er während seines Aufenthaltes in der sichtbaren Welt beging, ewig.

Einer, der sich dem ‚Spiritismus’ verschrieben hat, würde sagen, dass es außer der sichtbaren Welt auch noch eine andere gibt, eine Welt des ‚Jenseits’, und dass bereits eine Verbindung zu den Wesen, die diese Welt des ‚Jenseits’ bevölkern, hergestellt worden ist.

Einer, der von der Theosophie angezogen ist, würde sogar noch weitergehen und sagen, dass es sieben einander durchdringende Welten gibt, die aus immer feinerem Stoff bestehen, und so fort und so weiter.

Kurzum, nicht ein einziger heutiger Mensch wäre fähig, eine bestimmte für alle Gesichtspunkte gleicherweise passende Definition der eigentlichen Bedeutung des Wortes ‚Welt’ zu geben.

Das ganze psychische innere Leben eines gewöhnlichen Menschen ist nichts als ein ‚automatisierter-Kontakt’ zwischen zwei oder drei Serien früherer von ihm wahrgenommener Assoziationen von Eindrücken, die sich unter Einwirkung eines dabei in ihm entstandenen Impulses in allen drei heterogenen Lokalisationen oder ‚Gehirnen’ festsetzten. Wenn eine Assoziationsserie einmal aufs Neue wieder abzulaufen beginnt, das heißt, wenn die Wiederholung entsprechender Eindrücke vor sich geht, ist es unter dem Einfluss einiger innerer oder äußerer zufälliger Schocks möglich festzustellen, dass auch in einer anderen Lokalisation sich die homogenen Eindrücke von selbst wiederholen.

Alle Besonderheiten der Weltanschauung des gewöhnlichen Menschen und die charakteristischen Züge seiner Individualität stammen und hängen ab von der Folge der in ihm beim Wahrnehmen neuer Eindrücke vor sich gehenden Impulse und auch von dem Automatismus, der den Entstehungsprozess der Wiederholung dieser Eindrücke veranlasst. Und das erklärt, weshalb man immer sogar im gewöhnlichen Menschen in seinem passiven Zustand beobachten kann, dass die verschiedenen Assoziationen, die gleichzeitig in ihm vor sich gehen, nichts miteinander gemein haben und in keiner Weise übereinstimmen.

Die besagten Eindrücke werden im allgemeinen Bestand eines Menschen sozusagen durch drei ‚Apparate’ empfangen, die in ihm, wie im Allgemeinen im Bestand aller Tiere als Wahrnehmer aller sieben sogenannten ‚planetischen Schwerpunkts-Vibrationen’ sind.

Die Struktur dieser wahrnehmenden Apparate ist in allen Teilen des Mechanismus dieselbe.

Diese Apparate bestehen aus Vorrichtungen, die an klare Wachs-Gramophon-Platten denken lassen; auf diesen Platten oder, wie man sie auch nennen kann, ‚Rollen’ werden alle empfangenen Eindrücke vom ersten Tag der Erscheinung eines Menschen in der Welt und sogar zuvor, während seiner Gestaltung im Schoß der Mutter, aufgezeichnet.

Und die einzelnen Apparate, die seinen allgemeinen Mechanismus ausmachen, besitzen auch eine gewisse automatisch wirkende Vorrichtung, dank derer neuempfangene Eindrücke, außer dass sie neben den ihnen ähnlichen früher empfangenen Eindrücken aufgenommnen, auch in chronologischer Ordnung neben den gleichzeitig empfangenen Eindrücken aufgezeichnet werden.

Somit wird jeder erlebte Eindruck gleichzeitig an verschiedenen Stellen und auf verschiedenen Rollen eingetragen und auf diesen Rollen unverändert aufbewahrt.

Diese eingeprägten Wahrnehmungen haben die Eigenschaft, dass sie, wenn sie mit ähnlichen und gleichartigen Vibrationen in Berührung kommen, sozusagen ‚sich selbst erregen’ und dass sich in ihnen ein Ablauf wiederholt, der dem Ablauf gleicht, der durch ihr erstes Entstehen hervorgerufen wurde.

Und es ist diese Wiederholung von früher wahrgenommenen Eindrücken, die das hervorruft, was Assoziation genannt wird, und Teile dieser Wiederholung, die in das Feld der Aufmerksamkeit eines Menschen kommen, machen das aus, was ‚Gedächtnis’ genannt wird.

Das Gedächtnis eines gewöhnlichen Menschen, verglichen mit dem Gedächtnis eines harmonisch vervollkommneten Menschen, ist eine sehr, sehr unvollkommene Vorrichtung zur Nutzbarmachung seiner früher wahrgenommenen Eindrücke während seines verantwortlichen Lebens.
Mit Hilfe seines Gedächtnisses kann der gewöhnliche Mensch von der ganzen Menge der früher wahrgenommenen Eindrücke nur einen sehr kleinen Teil benutzen und übersehen, wogegen das Gedächtnis, wie es in einem echten Menschen ist, ohne Ausnahme alle Eindrücke, ganz gleich, wann sie wahrgenommen wurden, übersieht.

Viele Experimente sind gemacht worden, und es ist mit unbezweifelbarer Genauigkeit festgestellt worden, das jeder Mensch, in gewissen Zuständen, wie zum Beispiel im Zustand eines bestimmten Stadiums von ‚Hypnose’, bis auf die kleinsten Einzelheiten sich an alles erinnern kann, was ihm je geschah, an alle Einzelheiten der Umstände und Gesichter und Stimmen der Leute, die ihn umgaben, selbst in den ersten Tagen seines Lebens, als er nach den Begriffen der Leute noch ein unbewusstes Wesen war.

Wenn ein Mensch in einem dieser Zustände ist, ist es möglich, künstlich sogar die in den dunkelsten Ecken seines Mechanismus verborgenen Rollen wieder zum Gehen zu bringen; aber es geschieht auch oft, dass diese Rollen von selbst unter dem Einfluss eines, durch ein Erlebnis hervorgerufenen, offenen oder verborgenen Schocks abzulaufen beginnen und dann plötzlich vor dem Menschen lang vergessene Szenen, Bilder, Gesichter und so weiter auftauchen.

 

An dieser Stelle unterbrach ich den Vorleser und hielt es für angebracht, die nun folgende Hinzufügung zu machen:

 

 

HINZUFÜGUNG

 

So also ist der gewöhnliche ‚Durchschnittsmensch’. Ein unbewusster Sklave des allgesamten Dienstes für, seiner eigenen Individualität fremde, all-universelle Zwecke.

Er kann sein ganzes Leben leben, so wie er ist, und als solcher für immer vergehen.

Gleichzeitig aber hat ihm die Große Natur die Möglichkeit gegeben, nicht nur ein blindes Werkzeug des allgemeinen Dienstes dieses all-universellen-objektiven-Zweckes zu sein, sondern zugleich, indem er ihr dient und verwirklicht, was ihm vorausbestimmt ist, wie es das Los alles Atmenden ist – auch für sich selbst, für seine eigene egoistische Individualität zu arbeiten.

Diese Möglichkeit ist ihm auch zum Dienst für den gemeinsamen Zweck gegeben, da für das Gleichgewicht dieser selben objektiven Gesetze auch solche teilweise befreite Leute nötig sind.

Obwohl die besagte Befreiung möglich ist, so ist es doch schwer zu sagen, ob jeder beliebige Mensch die Möglichkeit hat, sie zu erreichen.

Es gibt eine Unzahl von Ursachen, die dies nicht zulassen und die in den meisten Fällen weder von uns persönlich noch von großen Gesetzen abhängen, sondern nur von allerlei zufälligen Verhältnissen bei unserer Entstehung und Gestaltung, unter denen die hauptsächlichsten die Vererbung und die Verhältnisse sind, unter denen der Prozess unseres ‚vorbereitenden-Alters’ verflossen ist. Und es sind gerade diese nicht zu ändernden Ursachen, die die Befreiung möglicherweise nicht zulassen.

Die hauptsächlichste Schwierigkeit für die Befreiung aus der allgemeinen Sklaverei besteht darin, dass man selbst mit einer aus persönlicher Initiative stammenden Absicht und von eigenen Anstrengungen unterstützten Ausdauer, was besagen will, nicht durch fremden, sondern eigenen Willen erstreben muss, in seinem Bestand sowohl die Ausrottung schon fest verwurzelter Folgen gewisser Eigenschaften jenes ‚etwas’ zu erreichen, das in unseren Vorvätern war und ‚Organ-Kundabuffer’ genannt wird, wie auch die Ausrottung der Veranlagung zu diesen Folgen, die wieder entstehen könnten.

Damit ihr wenigstens annähernd versteht, was dieses seltsame Organ mit seinen Eigenschaften und auch die Manifestierung der Folgen dieser Eigenschaften in uns darstellt, müssen wir uns ein wenig länger bei dieser Frage aufhalten und etwas ausführlicher darüber reden.

In ihrer Voraussicht musste die Große Natur ob vieler wichtiger Gründe (über die später theoretische Erklärungen in den folgenden Vorlesungen gegeben werden) in den allgemeinen Bestand unserer fernen Vorfahren ein Organ hineinlegen, dessen Eigenschaften sie davor schützen sollten, nichts von dem zu sehen und zu fühlen, was in Wirklichkeit vor sich geht.

Obwohl dieses Organ später auch von derselben Großen Natur aus dem Bestand der irdischen Wesen wieder ‚entfernt’ wurde, so ist doch auf Grund des kosmischen Gesetzes, das in den Worten formuliert ist: ‚die-Assimilierung-der-Resultate-oft-wiederholter-Handlungen’ – wonach in jeder ‚Weltverdichtung’ durch häufige Wiederholung ein und derselben Handlung eine Anlage entsteht, die unter gewissen Bedingungen ähnliche Resultate hervorrufen kann –, die in unseren Urvätern entstandene gesetzmäßige Anlage erblich von Geschlecht zu Geschlecht übergegangen, und als ihre Nachkommen im Prozess ihrer gewöhnlichen Existenz viele Verhältnisse festsetzten, die sich als der besagten Gesetzmäßigkeit entsprechend erwiesen, entstanden von dieser Zeit an in ihnen nach und nach die Folgen aller möglichen Eigenschaften dieses Organs, und indem diese durch erbliche Weitergabe von Geschlecht zu Geschlecht von ihnen assimiliert wurden, erwarben sie schließlich fast dieselben Manifestationen wie die ihrer Vorfahren.

Ein annäherndes Verstehen der Manifestierung dieser Folgen in uns kann uns die folgende unserer Vernunft sehr verständliche und keinen Zweifel zulassende Tatsache geben.

Wir Menschen sind alle sterblich und jeder Mensch kann in jedem beliebigen Augenblick sterben.

Nun fragt es sich, kann ein Mensch sich wirklich den Prozess seines eigenen Todes vorstellen und ihn in seinem Bewusstsein sozusagen ‚erleben’?

Nein! Seinen eigenen Tod und das gesamte Erlebnis dieses Prozesses kann sich der Mensch sogar beim besten Willen niemals vorstellen.

Der gewöhnliche Mensch von heute kann sich den Tod eines anderen Menschen vorstellen, doch auch das nicht vollends.

Er kann sich zum Beispiel vorstellen, dass ein Herr Müller aus dem Theater kommt und beim Überschreiten der Straße unter ein Auto gerät und totgequetscht wird.

Oder dass ein vom Winde losgerissenes Ladenschild auf den Kopf eines Herrn Maier fällt, der zufällig vorbeigeht, und ihn auf der Stelle tötet.

Oder dass Herr Schmitt verdorbene Krebse isst, sich vergiftet, und da ihn niemand retten kann, morgen sterben muss. Das alles kann sich ein jeder leicht vorstellen. Kann aber ein ‚Durchschnittsmensch’ eine solche Möglichkeit, die er für Müller, Maier und Schmitt zulässt, sich auch für sich selbst vorstellen und die ganze Verzweiflung, dass ihm ein solches Ereignis zustoßen kann, empfinden und erleben?

Denkt, was einem Menschen geschehen könnte, der die Unvermeidlichkeit seines eigenen Todes sich deutlich vorstellen und erleben könnte!

Wenn man ernst nachdenkt und wirklich tief dahinein dringen und seinen eigenen Tod erkennen würde, was könnte schrecklicher sein?

Im gewöhnlichen Leben der Menschen, besonders in der letzten Zeit, gibt es außer der niederdrückenden Tatsache der Unvermeidlichkeit des Todes, der dem Menschen unbedingt widerfahren muss, noch viele andere ähnliche Tatsachen, die in ihm schon bei der Vorstellung, dass sie ihm zustoßen könnten, das Gefühl unsagbarerer und unerträglicher Verzweiflung hervorrufen.

Angenommen, dass solche heutigen Menschen, die schon endgültig alle Möglichkeiten, irgendwelche wirkliche objektive Hoffnungen für die Zukunft zu haben, verloren haben, das heißt solche, die in der Zeit ihres verantwortlichen Lebens niemals etwas ‚gesät’ und die folglich nichts in der Zukunft zu ‚ernten’ haben, die Unvermeidlichkeit ihres schnellen Todes erkennen würden, würden sie – allein bei diesem Gedanken – sich aufhängen.

Darin eben besteht die Besonderheit der Wirkung der Folgen der Eigenschaften des besagten Organs auf die allgemeine Psyche der heutigen gewöhnlichen Menschen, dass dank derselben in den meisten heutigen Menschen – diesen dreizentrischen Wesen, auf denen alle Hoffnungen und Erwartungen unseres Schöpfers beruhen, da sie die Möglichkeit haben, höheren Zwecken zu dienen – dieses wirkliche Entsetzen nicht erkennen und ihre Existenz ruhig fortsetzen können, dieweil sie unbewusst erfüllen, was ihnen vorausbestimmt ist, jedoch nur im Dienst der nächsten unmittelbaren Ziele der Natur, da sie wegen ihres nicht passenden anormalen Lebens jede Möglichkeit verloren haben, höheren Zwecken zu dienen.

Durch diese Folgen kommt es in der Psyche solcher Menschen nicht nur nicht zur Erkenntnis dieses Entsetzens, sondern sie denken sich sogar zu ihrer Selbst-Beruhigung alle möglichen phantastischen Erklärungen aus, die ihrer naiven Logik einleuchten, sowohl für das, was sie tatsächlich empfinden, als auch für das, was sie gar nicht empfinden.

Wenn zum Beispiel die Lösung der Frage, warum uns die Fähigkeit, verschiedene mögliche wirkliche Entsetzen, insbesondere das Entsetzen unseres eigenen Todes, in Wirklichkeit zu empfinden fehlt, sagen wir, zur ‚brennenden-Tagesfrage’ würde, wie es mit einigen Fragen im heutigen Leben der Menschen periodisch geschieht, so würden aller Wahrscheinlichkeit nach alle einfachen Sterblichen wie auch alle sogenannten ‚Gelehrten’ kategorisch eine Lösung finden und ohne eine Minute zu zweifeln mit Schaum am Munde beweisen, dass, was die Menschen tatsächlich davor bewahrt, solche Entsetzen zu erleiden, eben ihr eigener ‚Wille’ ist.

Zugegeben, dass dem so ist, warum schützt uns dann nicht dieser angeblich in uns vorhandene Wille vor allen kleinen Ängsten, die wir auf Schritt und Tritt erleben?

Damit ihr, worüber ich soeben spreche, mit eurem ganzen Wesen empfindet und versteht, und nicht nur mit eurer, sagen wir ‚Gedanken-Hurerei’, die zum Unglück unserer Nachkommen schon zur Haupt-Inhärenz der heutigen Menschen geworden ist, stellt euch nun bloß Folgendes vor:

Ihr geht heute nach der Vorlesung nach Hause, zieht euch aus und legt euch zu Bett, und in dem Moment, wo ihr euch mit der Decke zudeckt, springt eine Maus unter dem Kissen hervor, läuft über euren Körper und versteckt sich in den Falten der Ecke.

Gesteht nur offen, läuft euch nicht schon beim bloßen Gedanken an eine solche Möglichkeit ein Schauer über den ganzen Körper?

Stimmt das vielleicht nicht?

Versucht jetzt, bitte, eine Ausnahme zu machen und ohne Teilnahme irgendeiner in euch fest eingeprägten, nennen wir es ‚Subjektiven-Gefühlstuerei’ nur mit eurem Denken allein über einen solchen Vorfall nachzudenken, der euch widerfahren kann, und ihr selbst werdet dann erstaunt sein, warum ihr eigentlich so darauf reagiert.

Was ist denn so Schreckliches dabei?

Es ist doch nur eine gewöhnliche Hausmaus; ein ganz ungefährliches und harmloses Tierchen.

Nun frage ich euch, wie kann man zur Erklärung all des Gesagten den in jedem Menschen angeblich vorhandenen Willen anführen?

Wie kann man in Einklang bringen, dass der Mensch vor einem zaghaften sich selbst vor allem fürchtenden Mäuschen und vor tausend anderen ähnlichen Kleinigkeiten, die ihm vielleicht sogar niemals zustoßen werden, Angst hat und dass er gleichzeitig kein Entsetzen vor der Unvermeidlichkeit seines eigenen Todes empfindet?

Auf jeden Fall ist es unmöglich, einen solchen offensichtlichen Widerspruch mit dem Wirken des vielgepriesenen menschlichen Willens zu erklären.

Wenn wir diesen Widerspruch nüchtern, ohne jede Voreingenommenheit, das heißt ohne fertige Begriffe, die durch die ‚Klügeleien’ aller möglichen sogenannten ‚Autoritäten’ – die zu solchen hauptsächlich dank der ‚Naivität’ und ‚Mitlauferei’ der Menschen geworden sind – erzielt sind, wie auch ohne die in unserem Denken entstehenden Resultate, die von der anormalen Erziehung abhängen, betrachten, so wird es ohne jeden Zweifel klar, dass alle diese kleinen Entsetzen, durch die im Menschen der Wunsch sich aufzuhängen, wie wir schon gesagt haben, nicht entsteht, von der Natur selbst in einem solchen Maß gestattet werden, als sie für unseren gewöhnlichen Existenzprozess nötig sind.

Und tatsächlich könnten ohne sie, ohne diese verschiedenen im objektiven Sinne kleinen, wie man sagt ‚im-Nu-verschwindenden’, aber für uns scheinbar ‚nie-zuvor-dagewesenen-Entsetzen’ keine Erlebnisse wie Freude, Kummer, Hoffnung, Enttäuschung und so weiter in uns vor sich gehen, und wir könnten nicht die verschiedenen Sorgen, Triebe, Streben haben, wie überhaupt viele verschiedene Impulse, die uns handeln und etwas erstreben und nach einem Ziele trachten lassen.

Und es ist eben die Gesamtheit all dieser automatisch im ‚Durchschnittsmenschen’ entstehenden und vor sich gehenden – wie man sie nennen könnte – ‚kindischen-Erlebnisse’, die einerseits sein Leben ausmacht und erhält und die ihm andererseits weder die Möglichkeit noch die Zeit gibt, die Wirklichkeit zu sehen und zu fühlen.

Wenn dem heutigen ‚Durchschnittsmenschen’ die Möglichkeit gegeben wäre, zu empfinden oder sich wenigstens mit seinen Gedanken daran zu erinnern, dass er irgendwann an einem bestimmten ihm bekannten Zeitpunkt, zum Beispiel morgen, oder in einer Woche, oder einem Monat, oder erst in einem Jahr, oder in zwei Jahren sterben würde, ganz sicher sterben würde, was würde dann, so fragt man, was von all dem, was sein Leben bisher ausgefüllt und ausgemacht hat, übrig bleiben?

Alles würde für ihn seinen Sinn und seine Bedeutung verlieren. Was wäre dann schon der Orden, den er gestern für vieljährigen Dienst erhalten hat und der ihm solche Freude gemacht hat, und was gälte der von ihm erst unlängst bemerkte, viel versprechende Blick der Frau, die bis jetzt das Objekt seines beständigen und bisher ergebnislosen Begehrens war, und die Zeitung beim Morgenkaffee und der ehrerbietige Gruß des Nachbars auf der Treppe und das Theater abends und Erholung und Schlaf und alle seine Lieblingssachen – wozu nur das alles?

Das alles würde nicht länger die Bedeutung haben, die man ihm bis dahin gegeben hat, sobald man weiß, dass der Tod, wenn auch erst in fünf oder zehn Jahren, einen ereilt.

Kurzum, der ‚Durchschnittsmensch’ kann nicht und darf nicht seinem Tod, wie man sagt ‚in-die-Augen-schauen’ – sonst würde er mit einem Mal sozusagen den ‚Boden-unter-den-Füßen’ verlieren und vor ihm würde dann in ihrer ganzen Schroffheit die Frage auftauchen: Wozu und wofür leben und leiden und plagen wir uns denn?

Damit eben eine solche Frage nicht entstehe, hat die Große Natur – in der Überzeugung, dass im allgemeinen Bestand der meisten Menschen sich schon alle den dreizentrischen Wesen eigenen Faktoren für würdige Manifestationen nicht mehr länger bilden – voraussichtig und weise sie dadurch geschützt, dass sie die Entstehung verschiedener Folgen solcher in dreizentrischen Wesen jetzt vorhandenen unwürdigen Eigenschaften zugelassen hat, die beim Fehlen würdiger Anstrengungen dazu führen, sie die Wirklichkeit nicht wahrnehmen und empfinden zu lassen.

Und die Große Natur war gezwungen, sich dieser im objektiven Sinne Anormalität anzupassen, weil durch die von den Menschen selbst eingerichteten Verhältnisse ihres gewöhnlichen Lebens die sich verschlechternde Qualität ihrer für Höhere Allkosmische Zwecke erforderlichen Ausstrahlungen, zur Erhaltung des Gleichgewichts eine Vermehrung der Quantität der Entstehungen und Existenzen dieser Leben dringend erforderte.

Daraus folgt, dass das Leben im Allgemeinen dem Menschen nicht für ihn selbst gegeben ist, sondern dass sein Leben für die besagten Höheren Kosmischen Zwecke nötig ist, weswegen die Große Natur dieses Leben überwacht, damit es in einer mehr oder weniger erträglichen Form verläuft und dafür sorgt, dass es nicht vorzeitig aufhört.

Füttern, schützen, pflegen doch auch wir unsere Schafe und Schweine und machen ihnen das Leben nach Möglichkeit bequem?

Machen wir das, weil wir ihr Leben ob ihres Lebens schätzen?

Nein, wir machen all das, um sie eines schönen Tages zu schlachten und das von uns benötigte Fleisch und soviel Speck als möglich zu erhalten.

In derselben Weise trifft die Natur Vorkehrungen, damit wir leben ohne unser Entsetzen zu sehen, und uns nicht aufhängen, sondern lange leben und dann, wenn sie uns braucht – schlachtet sie uns.

Unter den jetzt für das gewöhnliche Leben der Menschen bestehenden Verhältnissen ist dies ein unabänderliches Natur-Gesetz geworden.

Es gibt in unserem Leben einen gewissen sehr großen Zweck, und wir alle müssen diesem großen gemeinsamen Zweck dienen – darin liegt die ganze Bestimmung und der Sinn unseres Lebens.

Alle Menschen ohne Ausnahme sind Sklaven dieses ‚Großen’, und alle müssen sich ihm widerspruchslos unterwerfen und müssen ohne Einschränkung und Kompromisse erfüllen, was jedem von uns vorausbestimmt ist, als Folge der auf ihn gekommenen Vererbung und des von ihm selbst erworbenen Seins.

Indem ich nach all dem hier Eingeschobenen zum Hauptthema der heute hier gehaltenen Vorlesung zurückkehre, will ich eurem Gedächtnis die einige Male zur Definition des Menschen gebrachten Ausdrücke ‚echter-Mensch’ und ‚Mensch-in-Anführungsstrichen’ zurückrufen und zum Schluss Folgendes sagen:

Wenn auch beide, sowohl der ‚echte-Mensch’, der schon ein persönliches ‚Ich’ erworben hat, als auch der ‚Mensch-in-Anführungsstrichen’, der ein solches nicht hat, Sklaven des besagten ‚Großen’ sind, so besteht doch der Unterschied zwischen ihnen, wie ich schon gesagt habe, darin, dass der erste, der sich seiner Sklaverei bewusst ist, die Möglichkeit erwirbt, gleichzeitig mit dem Dienst für die all-universelle Verwirklichung auch einen Teil seiner Manifestationen gemäß der Voraussicht der Großen Natur für sich selbst zu dem Zweck zu verwenden, ein ‚unvergängliches-Sein’ zu erwerben, wogegen der zweite, der seine Sklaverei nicht erkennt, im Laufe seines ganzen Existenz-Prozesses ausschließlich nur als ein Ding dient, das, nachdem die Natur seiner nicht mehr länger bedarf, auf immer verschwindet.

Um das soeben von mir Gesagte verständlicher und bildhafter zu machen, wird es sehr nützlich sein, das menschliche Leben im Allgemeinen mit einem großen Strom zu vergleichen, der aus verschiedenen Quellen entspringt und über die Oberfläche unseres Planeten fließt, und das Leben jedes einzelnen Menschen mit einem Tropfen Wasser, der mit unzähligen anderen zusammen die Gesamtheit dieses Lebensstromes ausmacht.

Dieser Strom fließt zuerst als Ganzes durch ein verhältnismäßig ebenes Tal und an der Stelle, wo die Natur einen sogenannten ‚ungesetzmäßigen-Kataklysmus’ erlitten hat, teilt er sich in zwei Ströme, oder wie man auch sagt, der Strom erfährt eine ‚Teilung der Wasser’.

Dabei gerät die ganze Wassermasse des einen Stromes bald nach dem Passieren dieser Stelle in noch flachere Täler ohne sogenannte ‚majestätische und malerische’ Szenerien auf beiden Seiten, die sie aufhalten könnten, und mündet dann in den offenen Ozean.

Der zweite Strom, der sein Fließen über Stellen, die als Folgen des ‚ungesetzmäßigen-Kataklysmus’ entstanden sind, fortsetzt, fließt schließlich in die Spalten der Erde, die auch die Folge desselben Kataklysmus sind, und sickert ins Innere der Erde hinein.

Obgleich von der Teilung der Wasser an das Wasser beider Ströme selbständig weiterfließt und sich die Ströme nie mehr vereinen, kommen sie sich doch in ihrem weiteren Lauf oft so nahe, dass verschiedene Resultate, die sich aus dem Prozess ihres Fließens ergeben, miteinander verschmelzen und sogar manchmal während großer atmosphärischer Erscheinungen, als da sind Sturm, Wind und so weiter, Wasserstäubchen und sogar einzelne Tropfen von einem Bett ins andere geraten.

Das Leben jedes einzelnen Menschen, bevor er verantwortliches Alter erreicht hat, entspricht einem Tropfen Wasser im anfänglichen Fließen des noch ungetrennten Stromes, und die Stelle, wo die Scheidung der Wasser stattfindet, entspricht der Zeit, in der der Mensch mündig wird.

Nach dieser Trennung wird jede weitere gesetzmäßige große Bewegung des Stromes und auch die kleinen untergeordneten Bewegungen für die Verwirklichung der im voraus festgesetzten Bestimmung des ganzen Stromes gleicherweise auf die einzelnen Tropfen übertragen, insofern sich diese Tropfen in der Gesamtheit dieses Stromes befinden.

Für den Tropfen selbst haben seine eigenen Umlagerungen, Richtungen und Zustände, die von der Verschiedenheit seiner Lage und durch verschiedene zufällig entstandene ihn umgebende Verhältnisse bedingt werden, und ebenso die Beschleunigung oder Verzögerung des Tempos seiner Bewegung, immer ganz zufälligen Charakter.

Für die Tropfen gibt es keine Vorherbestimmung ihres persönlichen Schicksals; eine Vorherbestimmung des Schicksals gibt es nur für den ganzen Strom.

Im anfänglichen Fließen des Stromes ist der Tropfen einmal hier, einmal dort, und nach einer weiteren Minute kann er überhaupt aufhören, einer zu sein, wird aus dem Fluss herausgespritzt und verdunstet.

Da also die Große Natur ob des unwürdigen Lebens der Menschen gezwungen war, den allgemeinen Bestand der Menschen entsprechend umzuformen, hat es sich von da an, was die allgemeine Verwirklichung alles Existierenden betrifft, so ergeben, dass das menschliche Leben im Allgemeinen auf der Erde in zwei Strömen fließen muss. Und allmählich wurden von der Großen Natur entsprechende Gesetzmäßigkeiten in den Einzelheiten ihrer allgemeinen Verwirklichung vorausgesehen und festgesetzt, damit in den Wassertropfen im anfänglichen Fließen des Lebens-Stromes bei dem entsprechenden subjektiven sogenannten ‚Kampf-seiner-eigenen-Selbstverneinung’ jenes ‚Etwas’ entstehen oder nicht entstehen könne, demzufolge gewisse Eigenschaften erworben werden, durch die er an der Stelle der Trennung der Wasser dieses Lebens-Stromes in den einen oder den anderen Strom geraten kann.

Dieses ‚Etwas’, das im allgemeinen Bestand des Wassertropfens als Faktor dient, der in ihm die Eigenschaft verwirklicht, die dem einen oder anderen Strom entspricht, ist im allgemeinen Bestand jedes Menschen, der verantwortliches Alter erreicht, jenes ‚Ich’, von dem in der heutigen Vorlesung gesprochen wurde.

Der Mensch, der in seinem Bestand ein eigenes ‚Ich’ hat, gerät in das eine Bett des Lebens-Stromes und der, der es nicht hat, in das andere.

Das weitere Schicksal jedes Tropfens im allgemeinen Lebensstrom wird bei der ‚Trennung-der-Wasser’ entschieden, je nachdem, in welches Bett des Stromes der Tropfen gerät.

Und es wird, wie es schon gesagt wurde, dadurch entschieden, dass einer dieser beiden Ströme schließlich in den Ozean mündet, das heißt in jenen Bereich der allgemeinen Natur, der oft den sich wiederholenden sogenannten ‚gegenseitigen-Stoffwechsel-zwischen-verschiedenen-großen-kosmischen-Konzentrierungen’ durch den Prozess des sogenannten ‚Pochdalisdschantscha’ erfährt, und von dem übrigens die heutigen Menschen ein Teilchen erfassen und ‚Zyklone’ nennen, wodurch der Tropfen Wasser die Möglichkeit hat, so wie er ist, in die nächst höhere Verdichtung zu evolvieren.

Und der andere Strom dringt, wie auch schon gesagt wurde, am Ende seines Fließens in die Spalten der Erde, in die ‚unteren-Regionen’ ein, wo er in dem unaufhörlich im Inneren des Planeten vor sich gehenden Prozess, den man ‚Involutions-Konstruktion’ nennt, sich in Dampf verwandelt und sich in entsprechende Sphären für neue Entstehungen verteilt.
Obgleich nach der Scheidung der Wasser die großen und die kleinen aufeinanderfolgenden Gesetzmäßigkeiten und Einzelheiten für die äußere Bewegung zwecks der Verwirklichung der im voraus festgesetzten Bestimmung beider Ströme aus denselben kosmischen Gesetzen stammen, sind doch die aus ihnen entstehenden Resultate je nach den beiden Strömen entsprechend ‚subjektiviert’, und obgleich sie selbständig zu funktionieren beginnen, helfen und unterstützen sie einander doch dauernd. Diese ‚subjektivierten’ zweitrangigen Resultate, die aus kosmischen Grundgesetzen stammen, funktionieren manchmal nebeneinander, stoßen manchmal zusammen oder kreuzen einander, vermischen sich jedoch nie. Die Wirkung dieser ‚subjektivierten’ zweitrangigen Resultate kann sich manchmal unter besonderen Verhältnissen auch nur auf die einzelnen Tropfen übertragen.

Für uns heutige Menschen liegt das Grundübel darin, dass wir – ob verschiedener von uns selbst eingerichteter Verhältnisse unserer gewöhnlichen Existenz, hauptsächlich durch die anormale sogenannte ‚Erziehung’ – wenn wir verantwortliches Alter erreichen, und den allgemeinen Bestand haben, der nur jenem Lebens-Strom entspricht, der schließlich in die ‚unteren Regionen’ mündet, in diesen Fluss geraten und es uns dahinträgt, wie er will und wohin er will; und ohne über die Folgen nachzudenken, gehen wir passiv mit und werden weiter und weiter getrieben.

Solange wir passiv bleiben, können wir es nicht vermeiden, nicht nur einzig und allein als ein Mittel für die ‚involutionäre Konstruktion’ der Natur zu dienen, sondern sind auch im Laufe unseres ganzen weiteren Lebens sklavisch allen möglichen blinden Zufallslaunen ausgesetzt.

Da die Mehrzahl der hier versammelten Hörer schon die Schwelle zum verantwortlichen Alter, wie man sagt, ‚überschritten’ hat und offen einsieht, dass sie bisher ihr eigenes ‚Ich’ nicht erworben hat, und gleichzeitig nach allem, was ich hier im Wesentlichen gesagt habe, sich keine besonders angenehmen Perspektiven ausmalt, werde ich, damit ihr, gerade ihr, die das einseht, nicht allzu sehr, wie man sagt, ‚den-Mut-sinken’ lasst, und nicht in den üblichen und den im heutigen anormalen Leben der Menschen herrschenden sogenannten ‚Pessimismus’ verfallt, ganz aufrichtig, ohne jeden Hintergedanken sagen, auf Grund meiner Überzeugungen, die sich durch langjährige Untersuchungen bildeten und sich auf zahlreiche ganz ungewöhnlich durchgeführte Experimente stützen, auf deren Resultaten das von mir gegründete ‚Institut-für-die-harmonische-Entwicklung-des-Menschen’ begründet ist: auch für euch ist es noch nicht zu spät.

Die besagten Untersuchungen und Experimente haben mir nämlich sehr deutlich und sehr bestimmt gezeigt, dass die für alles sorgende Mutter Natur den Wesen die Möglichkeit gegeben hat, zum Kern ihres Wesens, das heißt zu ihrem ‚Ich’ auch nach dem Beginn ihres verantwortlichen Alters zu gelangen.

Die Voraussicht der gerechten Mutter Natur besteht in diesem Fall darin, dass sie uns die Möglichkeit gegeben hat, unter gewissen inneren und äußeren Verhältnissen aus dem einen Strom in den anderen überzugehen.

Der zu uns aus undenklich fernen Zeiten gekommene Ausdruck ‚die-erste-Befreiung-des-Menschen’ bedeutet eben diese Möglichkeit des Überganges aus dem einen Strom, dem es vorausbestimmt ist, in die unteren Regionen zu verschwinden, in den anderen Strom, der in das weite Reich des grenzenlosen Ozeans mündet.

Von einem in den anderen Strom überzugehen, ist nicht so einfach: einfach zu wollen und hinüber zu gelangen. Dazu ist es erstens notwendig, in sich die Gegebenheiten bewusst zu kristallisieren, die in unserem allgemeinen Bestand den dauernden unauslöschlichen Impuls des Wunsches nach einem solchen Übergang hervorrufen und dann eine lange entsprechende Vorbereitung.

Zu diesem Übergang ist es vor allem notwendig, sich von allem, was euch als ein ‚Segen’ erscheint, was aber in Wirklichkeit nur sklavisch und automatisch erworbene Gewohnheiten sind, die im ersten Lebensstrom vorkommen, freizumachen.

Mit anderen Worten, man muss für das einem zur Gewohnheit gewordene gewöhnliche Leben sterben.

Eben von diesem Tod wird in allen ‚Religionen’ gesprochen.

Und dasselbe wird durch den vom fernen Altertum auf uns gekommenen Spruch ausgedrückt: ‚Ohne-Tod-keine-Auferstehung’ – das heißt, wenn du nicht stirbst, kannst du nicht auferstehen.

Der Tod, von dem hier gesprochen wird, ist nicht der Tod des Körpers, denn für einen solchen Tod braucht es keine Auferstehung.

Wenn es eine Seele gibt, noch dazu eine unsterbliche, so kann sie auf eine Auferstehung des Körpers verzichten.

Die Auferstehung ist auch nicht notwendig, um vor dem Herrgott beim Jüngsten Gericht zu erscheinen, wie uns die ‚Kirchenlehrer’ gelehrt haben.

Nein! Sogar ‚Jesus Christus’ und alle anderen von Oben gesandten Propheten haben von dem Tod gesprochen, der noch während dieses Lebens sich vollziehen kann, nämlich von Tod jenes ‚Tyrannen’, von dem unsere Sklaverei während dieses Lebens herrührt und von der Befreiung, von der allein die erste und hauptsächlichste Befreiung des Menschen abhängt.

Wenn man alles zusammenfasst, sowohl die Gedanken, die in der Vorlesung, die ihr gehört habt, ausgeführt sind, wie auch was ich heute hinzugefügt habe, nämlich betreffs der zwei Kategorien der heutigen Menschen, die, was ihren inneren Gehalt angeht, nichts miteinander gemein haben, und was die bedauerliche Tatsche angeht, die meine Hinzufügung bis zu einem gewissen Grad herausbringt, dass nämlich im allgemeinen Bestand der Menschen in der letzten Zeit ob der progressiv sich verschlimmernden von ihnen festgesetzten Verhältnisses ihres gewöhnlichen Lebens – hauptsächlich ob des falschen Erziehungssystems der heranwachsenden Generation – die verschiedenen Eigenschaften des Organs Kundabuffer viel intensiver zu entstehen begannen, halte ich es für notwendig, auch noch zu sagen und sogar zu betonen, dass ohne Ausnahme alle Missverständnisse, die im Prozess des gemeinschaftlichen Lebens entstehen, hauptsächlich was die Beziehungen der Menschen untereinander angeht, alle Meinungsverschiedenheiten, Streitigkeiten, Auseinandersetzungen und voreiligen Entschlüsse nämlich solche Entschlüsse, die, wenn man sie in die Tat umsetzt, den fortdauernden Prozess ‚des Gewissensbisses’ in einem entstehen lassen – und sogar solche großen Ereignisse, wie Krieg, Bürgerkrieg und andere ähnliche Unglücke allgemeinen Charakters, gerade ob der im allgemeinen Bestand jener Menschen, die nicht eigens an sich gearbeitet haben, vorhandenen Eigenschaft vorkommen, die ich diesmal so nennen würde: ‚die-in-des-Menschen-Auffassung-ganz-verdrehte-Widerspiegeleung-der-Wirklichkeit’.

Jeder Mensch, der imstande ist, auch nur ein wenig ernst nachzudenken, ohne sich, sagen wir mit seinen Leidenschaften ‚zu identifizieren’, muss dem zustimmen, sei es auch nur, dass er die sich im Prozess seines inneren Lebens oft wiederholende Tatsache in Betracht zieht, dass all seine Erlebnisse, die anfangs, das heißt, wenn sie zuerst geschehen, als noch nie dagewesen und wirklich schrecklich erscheinen, nach Verlauf schon ganz geringer Zeit, wenn diese Erlebnisse von anderen abgelöst werden, und ihm diese ersteren zufälligerweise wieder einfallen, sie dann, wenn er schon in einer anderen Stimmung ist, seinem logischen Urteil nach ‚nicht-einen-roten-Heller-wert’ erscheinen.

Die Resultate des Denkens und Fühlens im ‚Durchschnittsmenschen’ bringen es oft dahin, dass, wie man es ausdrücken kann, ‚eine-Mücke-zu-einem-Elefanten-wird-und-ein-Elefant-zu-einer-Mücke’.

Die Manifestierung dieser verderblichen Eigenschaft im allgemeinen Bestand der besagten Menschen verwirklicht sich besonders intensiv gerade während solcher Ereignisse wie Krieg, Revolution, Bürgerkrieg und so weiter.

Gerade während solcher Ereignisse manifestiert sich besonders schroff der sogar von ihnen selbst festgestellte Zustand, dessen Einfluss sie alle mit wenigen Ausnahmen verfallen und den sie ‚Massenpsychose’ nennen.

Das Wesentliche dieses Zustandes besteht darin, dass die ‚Durchschnittsmenschen’ in ihrem ohnedies schwachen und während dieser Zeit noch schwächeren Denken einen Schock durch die böswilligen Geschichten irgendeines Verrückten erhalten, und indem sie im vollen Sinn des Wortes Sklaven dieser böswilligen Geschichten werden, manifestieren sie sich vollständig automatisch.

Solange sie unter der Wirkung einer solchen Geißel stehen, die für die heutigen gewöhnlichen ‚Menschen’ schon eine von ihnen untrennbare Inhärenz geworden ist, ist jenes Heilige, das da ‚Gewissen’ genannt wird, schon nicht mehr länger in ihrem Bestand zu finden, und die Gegebenheiten, um dieses ‚Gewissen’ erwerben zu können, sind eben das, womit die Große Natur die Menschen als gottähnliche Geschöpfe im Unterschied zum Tier ausgestattet hat.

Unterrichtete Leute bedauern aufrichtig gerade diese Inhärenz in den heutigen Menschen, weil historischen Gegebenheiten und auch experimentellen Aufklärungen vieler echter ‚Gelehrter’ vergangener Epochen zufolge die Große Natur schon längst keine Notwendigkeit mehr für eine solche Erscheinung wie ‚Massenpsychose’ zu ihrem Equilibrium nötig hat; im Gegenteil eine solche periodisch in den Menschen entstehende Inhärenz zwingt die Große Natur zu immer neuen Anpassungen, zum Beispiel zur Vermehrung der Geburtenzahl, Veränderung des sogenannten ‚Tempos-der-allgemeinen-Psyche’ und so weiter.

Nach allem, was ich gesagt habe, finde ich es notwendig, zu sagen und sogar zu betonen, dass allein historischen Gegebenheiten nach die auf einige heutige Menschen gekommen und auch mir zufälligerweise bekannt geworden sind, nämlich aus den historischen Gegebenheiten, die sich in der Vergangenheit im Leben der Menschen wirklich ereignet haben und nicht denen, die von den heutigen sogenannten ‚Gelehrten’, hauptsächlich unter den ‚Deutschen’ erdichtet werden – ‚Geschichten’, mit denen überall auf der Erde das ganze heranwachsende Geschlecht vollgestopft wird –, es sich deutlich ergibt, dass sich die Menschen früherer Epochen nicht in zwei Lebensströme geteilt haben, sondern dass alle in einem Lebensstrom flossen.

Das allgemeine Leben der Menschheit hat sich in zwei Ströme erst zur Zeit der sogenannten ‚Tiklamischen Zivilisation’ geteilt, die der ‚Babylonischen Zivilisation’ unmittelbar voranging.

Eben von da an begann allmählich und bürgerte sich schließlich jene Organisation im Leben der Menschheit endgültig ein, die wie jeder vernünftig denkende Mensch feststellen muss, jetzt nur dann mehr oder weniger erträglich verlaufen kann, wenn sich die Menschen in Herren und Sklaven teilen.

Obwohl es des Menschen unwürdig ist, Herr oder Sklave im gemeinsamen Existieren mit ihm ähnlichen Kindern des GEMEINSAMEN VATERS zu sein, so muss man sich doch durch die in der Jetztzeit im Prozess des gemeinsamen Lebens der Menschen existierenden und schon fest eingewurzelten Verhältnisse, deren Anfang aus dem fernen Altertum stammt, damit aussöhnen, und sich auf einen Kompromiss einlassen, der nach unparteiischer Überlegung sowohl unserem persönlichen Wohl entsprechen als auch gleichzeitig keinem für uns Menschen eigens von dem ‚Urquell-alles-Existierenden’ gegebenen Geboten widersprechen soll.

Ein solcher Kompromiss ist meiner Meinung nach möglich, wenn einige Menschen es bewusst zum Hauptziel ihrer Existenz machen, in ihrem Bestand alle entsprechenden Gegebenheiten zu erwerben, um Herr zu werden unter den Wesen ihresgleichen um sie herum.

Wenn wir davon ausgehen und nach dem aus ältesten Zeiten stammenden Spruch handeln, der da sagt, ‚Um-wirklich-ein-gerechter-und-guter-Altruist-zu-sein,-ist-es-unvermeidlich-erfor-derlich,-zuerst-durch-und-durch-ein-Egoist-zu-sein’, und ferner auch von dem uns von der Großen Natur gegebenen gesunden Menschenverstand Gebrauch machen, muss jeder von uns es sich zum Hauptziel setzen, im Prozess unseres gemeinsamen Lebens Herr zu werden.

Allerdings nicht Herr in dem Sinn und der Bedeutung, die die heutigen Menschen diesem Worte beimessen, nämlich in dem Sinn und der Bedeutung, dass er viel Sklaven und viel Geld, das meistens erblich auf ihn gekommen ist, hat, sondern in dem Sinne, dass der betreffende Mensch durch seine im objektiven Sinne gottgefälligen Taten den Menschen seiner Umgebung gegenüber, das heißt Taten, die er nur nach den Angaben seiner reinen Vernunft vollbringt, ohne dass jene Impulse teilnehmen, die in ihm wie überhaupt in allen Menschen durch die erwähnten Folgen der Eigenschaften des verderblichen Organs Kundabuffer entstehen, jenes ‚Etwas’ in sich erwirbt, was von selbst allen um ihn herum befiehlt, sich zu beugen und alle seine Befehle mit Ehrfurcht auszuführen.

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